Versos German Johann Karl Wilhelm Geisheim Der verlorne Amtmann

German poem

Der verlorne Amtmann

by (1784–1847)

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Schabernacker vor dem Weinhaus Sieht des Amtmanns Wagen stehn, Dem er eben trank den Wein aus, Und der tief in’s Glas gesehn.

Auf dem Kutschbock senkt die Nase Hans, der Kutscher, sanft zum Kinn, Denn aus einem starken Glase Riß der Geist zum Schlaf ihn hin.

Schabernackers Schelm im Nacken Reget sich, zur Dankbarkeit Drinnen den zu schabernacken, Der zur Fahrt sich macht bereit.

Leis’ eröffnet er den Wagen, Doch nur um, so daß es kracht, Stark den Schlag dann zugeschlagen, Daß der Kutscher plutz erwacht.

Gute Nacht, ruft er, Herr Bruder! Laut dann; Kutscher, fahre zu! Dieser wähnt, er hab’ sein Fuder, Schnalzt, und vorwärts geht’s im Nu.

Unser Amtmann wackelt eben Aus dem Hause langsam her; Sieht dahin den Wagen schweben: Halt! Halt! tobt er hinterher.

Halt du Schurke! flucht und wettert Er wie toll; doch hilft kein Schrein; Daß das Pflaster davon schmettert, Lärmt er stolpernd hinterdrein.

Rennt und rennt; Zeit seines Lebens War nie sein Gebein so flott; Doch er martert sich vergebens, Seiner raschen Rosse Spott.

Außer Athem, seiner Glieder, Seiner Sinne nicht mehr Herr, Sinkt an einem Strauch er nieder, Ein zum Tod’ Ohnmächtiger.

Seine Rappen tüchtig traben Läßt der Kutscher, weil es gern Nachts der Amtmann mag so haben, Denn die Fahrt geht ziemlich fern.

Sonst wohl läßt er Flüche schallen, Wenn’s nach Wunsch nicht vorwärts will; Heut muß ihm die Fahrt gefallen, Denkt sich Hans, denn er ist still.

Hat so ruhig nie gesessen! Horchet Hans; kein Hauch sich regt. Sollt’ sein Pfeifchen er vergessen, Das er sonst zu schmauchen pflegt?

Nicht des bösen Weges Schläge Wecken ihn, nicht rauhe Nacht; Mag sehr matt sein; ging schon schräge, Als er mir mein Glas gebracht.

So nun endlich sie gelangen Vor des Amtmanns Wohnung an; Seine Frau, ihn zu empfangen, Wartet sorgsam auf den Mann.

Hört schon fern den Wagen kommen, Ämsig eilt sie auf den Platz; Hat ein Licht zur Hand genommen, Zu begrüßen ihren Schatz.

Sachte! rufet Hans, nur sachte! Unser Herr schläft ganz und gar! – Und dazu, wie oft, er lachte, Wenn’s nicht so recht richtig war.

Und die gute Frau nicht möchte Sein süß Schläfchen stören gern; Sanft zu Bette sollen Knechte Tragen ihren lieben Herrn.

Hans und Niklas, Jürg’ und Peter In dem Wagen her und hin Greifen; – schreien Mord und Zeter: Ach! der Herr ist ja nicht drin.

Wie denn? – fragt die Frau voll Schrecken; Leuchtet mit dem Licht’ hinein; – Ach, kein Mann ist zu entdecken! Hans, ach Hans! wo kann er sein? –

Will sich Hans das Haar ausraufen, Ist ganz außer sich die Frau; Heißt ihr ganzes Volk auslaufen, In den Wald auf Feld und Au.

Bessern Weiberrath sich schaffend Auf dem Fleck im Mißgeschick, Fähret, sich zusammenraffend, Auf der Straße sie zurück.

Fährt und sucht, und hofft und zweifelt, Bis, vom Weinhausplatz’ nicht fern, Sie, wie Unglück aufgehäufelt, Hinter’m Strauch fand ihren Herrn.

Den sie auflud, und zu Bette Brachte, daß er sich ermannt; Aber ihm der Liebe Kette Straffer hat seitdem gespannt.