German poem
An Wilhelm Friedrich Hitzig
by Johann Peter Hebel (1760–1826)
Sag, sind wir denn beide so völlig verrostet, Und haben doch hybläischen Honig gekostet, Laufen in Prosa zu Fuß durch die Zeiten, Und könnten auf Jamben und Sechsfüßen reiten, Saufen des Wassers mit andern Millionen, Und lassen verschimmeln des Punsches Citronen? In Steinbrunners-Gestalten gewoben, Haben uns des Proteus Engel umschwoben? Wie? Sind wir auf dem Belchen gewesen, Und haben im großen Psalter gelesen? Und als die Säustel den Augen entschwanden, Haben wir das Halleluja verstanden, Das krachende Eichen und stürzende Tannen, Dem Niegesehnen zu singen begannen, Und schlagen noch knechtisch das Ruder und schwitzen, Statt im äther’schen Luftball zu sitzen, Und unter des Himmels vergoldeten Nägeln Im lieblichen Schwanken des Reimes zu segeln?
So reim’ dich denn, oder Ich friß dich, und so der Apostel Johannes Auf Befehl eines Mannes Auf einmal ein Büchlein Verschlang, wie ein Küchlein, So macht das Ersticken Mir auch keine Sorgen.
Mich dauert der Arme in seiner Verblendniß. Gott helf’ ihm in Gnaden Zu Brod und Erkenntniß, Und heile den Schaden.
Mit Liebe und Freude, (der Luftballon steiget, Lang schwankt er gefährlich, Und hob sich beschwerlich), Hat Kirchenrath Sander etwas Junges gezeuget; In selige Schöpfergefühle verloren, Hat er einen neuen Trabanten geboren, Wenn’s erlaubt ist zu sagen, daß nur die Lyceen Um die verkohlte Sonne am Neckar sich drehen, Die Pädagogien auswärts hingegen, Als Monde sich um die Lyceen bewegen. Mit Reizen der Jugend geziert, Von freundlichen Horen geführt, Tritt Lahr in die kreisenden Bahnen. Nun möcht’ ich dich, Lieber, ermahnen: Du hattest mir einst von dem Büchlein geschrieben, Nach welchem du selber Physik hast getrieben, (Heißt’s Krüger, heißt’s Brünnig, ich weiß es nicht mehr,) Als du noch in deinem wohlthätigen Schein Der Mann im Lörracher Monde zu seyn, Genossest die Ehr’. So ein Büchlein, das hätten wir gern, Für den neuen lachenden Stern, Und suchen wohl eins, Und finden doch keins Das kurz und jugendlieb wär. Drum möchte Herr Sander das deine gern sehn, Eh’ er kauft eine Katz in dem Sack, Und weil er demnächst wird ins Oberland gehn Und rauchen manch’ Pfeiflein Tabak, So trags doch, o Lieber, Nach Lörrach hinüber. Herr Special Krey wird so gütig dann seyn, Und mit Aufschrift und Siegel des Amtes es weihn; Damit es ohne weitere Kosten, Durch die Turn- und Taxischen Posten, An das Specialamt in Hochberg lauft ein!
Was da haben die Männer in Baden gemacht? (Auch ich hab’ Träum’ und Gesichter). Jung warf in die apokalyptische Nacht Ein paar schöne romantische Lichter. Da lagen die Auen gedehnt, Nach denen das Heimweh sich sehnt. Hingegen Herr Fein, Warf Schwärmer darein. Da sagte Herr Ewald: „O schont Des Leuchtens! Ich bin ja der Mond!“ Will’s so nicht behagen, Will ich anders es sagen. Herr Stilling schaute ins Dunkel hinauf, Er erspäht in der neblichten Ferne Jerusalems leuchtende Sterne. Da thürmte sich Fein in Gewittern auf, Und umhüllte die flimmernden Sterne, Und windet und donnerte drauf und drauf, Und blitzte mit Bengels Laterne. Da löste Herr Ewald den Wetterdunst auf, Und stürzte, ein Platzregen, nieder, Da strahlten die Nachtlichter wieder. Und war die prophetische Nacht Auch diesmal fast dunkler gemacht, Soll Ewald und Fein es entgelten! Den andern, den ließ ich nicht schelten. O wehe mir Armen! Ich tauche schon nieder, Immer schiefer, Immer tiefer In die Wolkenschicht nieder. Lebe wohl, o Proteuser! Der Urgeist umgeb’ dich! Das Lispeln der heilgen Buchen umschweb dich! Die Reinheit des Aethers vom Belchen durchweb’ dich!
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