German poem
Die Jobsiade — Erstes Kapitel
by Karl Arnold Kortum (1745–1824)
Euch und mir die Zeit zu vertreiben, Geneigte Leser! will ich itzt schreiben, Eine extrafeine Historiam Von Hieronimus Jobs lobesam.
Mit welchem sich in seinem Leben Viel gar Wunderbares hat begeben Und welcher sowol in Glück als Gefahr Ein rechter curioser Hieronimus war.
Zwaren wäre Vieles von ihm zu sagen, Der Leser möchte aber nicht Alles können tragen, Und Papier und Raum wäre für der Meng' Seiner Abenteuer zu eng.
Zwaren weiß ich von ihm viele Data; Ich erzähl' aber nur die vornehmsten Fata, Und was er von seiner Geburt an Merkwürdiges hat gethan.
Weil ich nun die preiswürdige Gabe Zu dichten vom Sanct Apoll erhalten habe, So habe, statt daß man sonst in Prosa erzählt, Dafür einen sehr schönen Reim erwählt.
Wenn ich aber nach rechtem Maß und Ehle, Gleich nicht Alles, wie's sich ziemt hätte, erzähle, So weiß doch der geneigte Leser schon, Daß man so was nennt Volkston.
Von meinem Aeltervater Hans Sachsen Ist mir die Kunst zu reimen angewachsen, Drum lieb' ich so sehr die Poesie Und erzähl' Alles in Reimen hie.
Man brauchet gar nicht darob zu spotten, Die Verse meines Vetters, des Wandsbecker Boten, Bleiben gewiß noch weit zurück Hinter den Versen aus meiner Fabrik.
Ich habe mich zugleich emsig bemühet, Wie der geneigte Leser mit Augen siehet, Daß das Büchlein, wie sich's gebührt, Mit schönen Figuren würde geziert.
Konnte aber nicht neue Kupfer bekommen, Hab' sie also anderswoher oft genommen, Doch passen selbige von ohngefähr, Wie man findet, genau hierher.
Sind zwar nicht Chodowieckis Gemächte, Können jedoch, wie ich fast gedächte, Noch immer, wie jene gut genug, Durch die arge Welt helfen das Buch.
Und ob die Bilder gleich nicht sind die feinsten, So sind die Verse ja auch nicht die reinsten; Und darum ist's ja löblich und gut, Daß eins mit dem andern harmoniren thut.
Nun, mein Büchlein, ich will's nicht hindern, Geh, ohne mich, zu den Menschenkindern; Manches Büchel, nicht besser als du, Eilt ja jährlich den Messen zu!
Hiemit will ich förmlich nun legen, Kraft meiner Finger und von Autors wegen, Als dein zärtlicher Vater gar mildiglich Meinen Segen, liebes Büchlein! auf dich.
Der Himmel wolle dich fein lange bewahren, Vor Kritiken, Motten und Fidibus-Gefahren, Und was etwa noch sonst für Noth Denen gedruckten Büchelchen droht!
Du müssest in- und außerhalb Schwaben, Deinem Vaterlande, viele Leser haben; Damit Schrift, Papier und Druckerei Nicht, Gott behüte mich! verloren sei.
Allen und Jeden, die lesen und bezahlen, Melde meinen Gruß zu tausend Malen, Und jedem hochweisen Herrn Recensent Vermelde insonders mein Compliment.
Sag' ihnen, doch demüthig, wie sich's gebühret, S' hätten gepriesen und gerecensiret Manches geringe Büchlein hoch, Viel elender geschrieben als du noch.
More by Karl Arnold Kortum
- Die Jobsiade — Einunddreißigstes Kapitel
- Die Jobsiade — Einunddreißigstes Kapitel
- Die Jobsiade — Einundzwanzigstes Kapitel
- Die Jobsiade — Einundzwanzigstes Kapitel
- Die Jobsiade — Fünftes Kapitel
- Die Jobsiade — Fünfunddreißigstes Kapitel
- Die Jobsiade — Fünfundzwanzigstes Kapitel
- Die Jobsiade — Neuntes Kapitel