German poem
Die Jobsiade — Einundzwanzigstes Kapitel
by Karl Arnold Kortum (1745–1824)
Nun hätte man sollen das Lärmen sehen, Was da in Jobsens Hause geschehen, Weil es, wie gesagt, nicht allerding Mit dem Examen nach Wunsche ging.
Aber was that denn des Hieronimi Vater? Lieber Leser! du magst wol fragen: was that er? Er gerieth drob in gar großen Grimm, Und sagte zu seinem Sohne: »du Lüm-
mel! hab' ich drum so viel angewendet Und ganze Hände voll Geld verschwendet, So daß fast worden zum armen Mann, Und habe itzt nur Verdruß daran?
Hättest du fleißiger gestudiret Und dich rechtschaffener aufgeführet, So wärst du itzo nunmehro hie Ein Candidatus Ministerii!
Und bekämest bald eine gute Pfarre; Aber du bist nun ein ungelehrter Narre, Der nichts von der Theologie versteht Und sein Leben lang brodlos geht!
Deine Mutter und ich hofften beide An dir zu erleben viele Freude, Und nun haben wir bittern Verdruß Ob dich bösen Hieronimus!
Alles was du vormals mir geschrieben, Als hättest du die Studia getrieben, Und wärest von allen der Fleißigste, Sind lauter Lügen, wie ich nun seh.
Auch was du vom Privatissimo Und zehn Stunden im Collegio, Von der Professoren Zufriedenheit, Vom Theetrinken in der Einsamkeit;
Item, von den vielen gelehrten Dingen, Wovon dir der Kopf wollte zerspringen, Vom Meditiren bis in die Nacht Und sonst noch etwa hast vorgebracht;
Auch daß dein Magen vom vielen Sitzen und Lesen Geschwächet und verdorben gewesen, Das alles ist, wie sich's nun befind't, Nichts gewesen, als Lügen und Wind.
Hätte ich doch ehmals unsers frommen Rectors guten Rath angenommen, Der es deutlich genug sagte mir: Es würde niemals etwas Gutes aus dir!
So wäre das viele Geld ersparet Und manches Kapital rund bewahret, Das du, böser, unnützer Knecht! Auf der Universität verzecht.«
So war ungefähr die Predigt beschaffen, Die der Alte hielte, den Sohn zu bestrafen, Und er hätte im ersten Affect, Fast den Hieronimus mit Prügeln bedeckt.
Weil indessen Zürnen und Schelten Für die Gesundheit zuträglich ist selten, So fiel auch den guten alten Mann Gleich eine heftige Krankheit an.
Denn er litte oft in gesunden Tagen Vom schmerzlichen Podagra viele Plagen; Sein Rathsherrnstand, guter Appetit und Ruh Disponirten den Körper dazu.
Nun aber verließen ihn plötzlich die Schmerzen Und das Podagra trat ihm zum Herzen, Und nach vierundzwanzig Stunden Zeit Wanderte er aus der Zeitlichkeit.
Alles im Hause rang nun die Hände Und des Klagens und Jammerns war kein Ende, Daß Hieronimus selbst sogar Kaum darüber zu trösten war.
Der Leser möchte vielleicht gähnen, Wenn ich diese traurigen Scenen Näher beschrieb, ich lasse drum nun Den Senator Jobs in Frieden ruhn.