Versos German Karl Arnold Kortum Die Jobsiade — Drittes Kapitel

German poem

Die Jobsiade — Drittes Kapitel

by (1745–1824)

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Nach dem gemeinen Sprüchwort ist große Freude Gemeiniglich gemischt oder befolgt mit Leide, Und vom lustigen Hopsa und Fröhlichkeit Ist Jammer, Auweh und Trauer nicht weit.

Dies Sprüchwort hat auch leider bald nach diesen Geschichten in Hieronimi Hause als wahr sich gewiesen, Wo nur ein Schritt, ja nur ein Haar, Zwischen dem Tode und Leben war.

Denn kaum war Hieronimus wieder auferwecket, So ward seine Frau davon so heftig erschrecket, Daß alles Blut im Leibe bei ihr erstarrt Und sie plötzlich eine Leiche ward.

Da half weder Aderlassen noch Klystiren; Sie blieb todt, ohne einmal sich zu rühren, Und Herrn Schnellers erhabene Kunst Erschöpfte sich an ihr ganz umsunst.

Ob etwa die schnelle Freude sie so verdorben, Daß sie davon so geschwinde gestorben, Dieses, sowol als anders noch mehr, Genau zu erörtern, gehört nicht hieher.

Einige haben wollen behaupten und sagen, Als ob Frau Jobs schon in den ersten zwei Tagen Der Wittwenschaft mit einem andern sich Hätte verlobt und eingelassen ehelich;

Des erblaßten Gatten Auferstehung aber wäre Nun bei ihr gekommen in die Quere, Und dieser unvermuthete große Schmerz Hätte ihr gebrochen das empfindliche Herz.

Allein, es ist Sünde sich so zu übereilen Und von armen jungen Wittwen so lieblos zu urtheilen; Das sicherste, was man davon sagen kann, Ist: der Tod will eine Ursache han.

Sie ward nach vier Tagen zur Erde bestattet, Und Hieronimus, zwar noch etwas ermattet, Gab doch mit aller Zärtlichkeit Ihr zur Ruhestatt das Geleit,

Froh, daß er diesmal dem Grabe entnommen Und mit dieser Kleinigkeit glücklich davon gekommen; Denn er dachte, besser heißt's: Heute dir Und nach Gelegenheit erst morgen mir.