Versos German Karl Arnold Kortum Die Jobsiade — Dreißigstes Kapitel

German poem

Die Jobsiade — Dreißigstes Kapitel

by (1745–1824)

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Wie zu Ohnewitz an einem Mittwochen ein Aufruhr entstand und allerlei Wunderzeichen vorhergingen, und wie Herr Hieronimus mit Prügeln u. s. w. fortgetrieben wurde.

Und diese Resolution machte durchgehends Im ganzen Dorfe viel Aufsehens, Und es entstand überall herum Unter den Bauern ein mächtig Gebrumm.

Denn sie sahen itzo offenbare, Daß der Patron Jobsens Gönner ware, Und daß nichts auszurichten mit Glimpf Und sie schwuren also zu rächen den Schimpf.

Dieser wichtigen Ursache wegen kamen Sie oftmals in der Schenke zusammen, Und überlegten bei Tabak und Bier, Wie die Sache anzugreifen allhier.

Sie haben auch sämmtlich alsobalden Ihre Kindlein alle zu Hause gehalten, Und kein's von ihnen, weder groß noch klein, Ferner geschickt in die Schule hinein.

Aber die Vernünftigsten von den Bauern Riethen, auf gute Gelegenheit zu lauern, Da alsdann alle mannichfalt Gebrauchen könnten Ernst und Gewalt.

Dieser gar kluge Vorschlag hat ihnen Sämmtlich gut und thunlich geschienen, Und man bestimmte dazu nunmehr Die Zeit, wenn der Patron verreiset wär'.

Zwar wurden alle diese Anstalten Noch zur Zeit höchst geheim gehalten, Bis endlich der erschreckliche Tag kam, Da die Unruhe den Anfang nahm.

Ehe aber dieses alles geschehen, Sind zu Ohnewitz große Zeichen gesehen, Wie denn vor wicht'gen Begebenheiten sich Vorbedeutungen zeigen gemeiniglich.

So hat zum Exempel eine kleine Weile Vorhero eine sehr große Eule Auf dem Kirchthurm, um Mitternacht, Ein erschrecklich Geschrei gemacht.

Auch hat einer von den Ohnewitzer Leuten, Als er aus der Schenke kam, die Glocke hören läuten, Auch fiel der sehr alte Schornstein Auf der Schule mit Geprassel ein.

Auch hat des Küsters Kuhe geboren Ein Kalb mit ungewöhnlich langen Ohren, Auch viel Hunde führten zum Theil In dem Dorfe ein gräßlich Geheul.

Auch sah man hier und da Irrlichter, Und sonst bei Nacht wunderbare Gesichter, Auch trug sich's zu, im hellen Mittag, Daß des Müllers Esel ein Bein brach.

Dieses alles schiene anzuzeigen, Daß sich bald etwas werde ereigen; Doch merkte man da erst die Gefahr, Als schon alles erfüllet war.

Nun war es gerade ein Mittwochen, Da der Aufruhr endlich ausgebrochen Und jeder Bauer, um Glocke acht, Hat sich Morgens aus dem Hause gemacht.

Es war recht gräulich anzusehen, Wie sich ein jeder mit Waffen versehen, Prügel und Flegel in großer Zahl Hatten die Zusammenverschwornen all'.

Alles ward nun in dem Dorfe rege, Und man weissagte Tod und Schläge, Und jeder Hund und jeder Hahn Fing zu bellen und zu krähen an.

Auf der Haide, die beim Dorfe ware, Versammelte sich die ganze Schaare, Und nun gingen sie in Procession Nach des Schulmeisters Wohnung schon.

Ihnen folgten zu beiden Seiten Viele Kinder, welche sich sehr freuten, Daß sie nunmehro würden heut Vom bösen Schulmeister befreit.

Noch lag Herr Jobs ruhig in seinem Bette, Als wenn alles sicher gestanden hätte, Bis da plötzlich der ganze Schwarm Hereinbrach mit großem Allarm.

Aber sobald er vom Schlaf erwecket, Hat er sich darob heftig erschrecket, Weil er nun erst den Hochverrath Wider ihn gespürt und gemerket hat.

Ohne ihm viele Zeit zu lassen, That man ihn gleich derbe anfassen, Und zur genauen Noth erlaubte man, Daß er sich vorhero kleidete an.

Man that ihm nun sehr ernstlich bedeuten, Nie Ohnewitz wieder zu beschreiten, Sagte ihm auch manches Scheltwort, Und jug mit Prügeln unsern Held fort.

Also war dieser Handel geschlichtet, Und die Expedition glücklich verrichtet, Und mit einem lauten hu! hu! Eilte man nun der Schenke zu.

Jeder behauptete itzt steif und feste, Er habe bei der Sache gethan das Beste, Und jeder wollt' nun beim Branntewein Der größeste Held gewesen sein.

Jedoch einige, anstatt sich zu freuen, Wollte nun der Handel schier gereuen, Und es ahneten sie gleichsam von fern Brüchte und Loch bei der Rückkunft des Herrn.