German poem
Die Jobsiade — Siebzehntes Kapitel
by Karl Arnold Kortum (1745–1824)
Nachdem nun diese Erzählung war abgebrochen Und man noch manches andre gesagt und gesprochen, Legte der reiche Herr Patron folgenden Plan Zu Hieronimi künftigem Glücke an:
Vorab sollte er wieder mit ihm nach Ohnwitz reisen, Bei ihm auf dem Schlosse wohnen und speisen, Und dann könnte man ferner warten und sehn, Was zu seiner Versorgung möchte geschehn.
Diese Offerte that Hieronimo gaudiren; Denn ohne lange zu complimentiren, Empfahl er sich zur hohen Gewogenheit Und war zu allem unterthänigst bereit.
Nun war am Reisewagen was zu bessern und zu putzen; Diesen Aufenthalt suchte Hieronimus zu benutzen. Er ging vorerst und nahm mittlerweil' Abschied von seinen Freunden in der Eil'.
Um sich aber zur Abfahrt desto besser zu berathen, Schenkte ihm der Herr Patron einen Beutel voll Ducaten; Diesen ließ aber der gute Hieronimus Halb seiner Mutter und jüngsten Schwester zum Abschiedsgruß;
Gab auch der Mutter noch alle seine Habe zum Erbe. Der Abschied war übrigens traurig, bitter und herbe; Sie hing lange weinend an seinem Hals Und seine Schwester Esther ebenfalls.
Den Proceß mit dem Nachtwächter, seinem Collegen, Schlug er nieder und wünschte ihm allen Segen, Und in seinem Beruf Wachsamkeit und Geduld; Bezahlte auch den größten Theil der Proceßschuld.
Auch Herrn Schneller that er freundlich begegnen, Unterließ nicht ihn nochmals für seine Rettung zu segnen, Und dieser gab ihm auf die Reise noch mit Eine große Flasche voll Aquavit.
So letzte er sich zärtlich mit allen seinen Freunden, Vergab seinen ehmals nächtlichen Schwägern und allen Feinden; Aber dem Herrn Judex Peter Squenz Wünschte er noch heimlich die Pestilenz.
Nunmehr hat er sich höchlich vergnüget Wieder zum Herrn Patron ins Quartier verfüget. Alles war fertig, man trank noch ein Glas, Stieg ein in den Wagen und reisete fürbaß.
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