Versos German Karl Arnold Kortum Die Jobsiade — Siebenundzwanzigstes Kapitel

German poem

Die Jobsiade — Siebenundzwanzigstes Kapitel

by (1745–1824)

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Derjenige Herr und die junge Dame, Zu deren Rettung Hieronimus herbei kame, Waren ein liebes artiges Paar, Welches kürzlich erst getrauet war.

Der Herr hatte unter sein adliges Gebiete Dörfer und Schlösser von mancherlei Güte, Aber im Dörflein Ohnewitz War eigentlich sein Rittersitz.

Um seiner Gemahlin den Gefallen zu erweisen, That er oft mit ihr kleine Reisen, Denn er hielte große Freundschaft Mit allen in seiner Nachbarschaft.

Damalen hatte er auch eben Einem benachbarten Edelmann den Besuch gegeben, Und wurde bei der Rückkehr im Wald Angegriffen von den Räubern bald.

Sogleich warfen sie den Kutscher zu Boden, Daß er da lag fast ohne Odem; Drauf forderten sie mit Ungestüm Sein Geld und sonstige Sachen von ihm.

Sie rissen ihn auch aus dem Wagen Und fingen an auf ihn loszuschlagen; Als auf das ängstlich Geschrei der Dam' Hieronimus, wie gesagt, zur Rettung kam.

Diese Geschichte erzählten sie unter- wegens ihrem Erretter, der nun munter Daher fuhr mit gar leisem Schritt, So gut es der gehabte Schrecken litt.

Hieronimus hat ihnen gleichfalls erzählet, Wie ihn das Schicksal bishero gequälet, Und so gelangten sie, wie der Blitz, Endlich an zu Ohnewitz.

Hier vergaß man bald alles Leiden, Lebete herrlich und in Freuden, Und für den ehrlichen Hieronimus ward Gesorget auf die liebreichste Art.

Neue Kleider, Essen und Trinken, Wein, Tabak, Braten und Schinken Waren da, alles in Ueberfluß, Zum Dienste unsers Hieronimus.

Nach einigen so vergnügt verstrichenen Wochen Hat auch der Herr dem Hieronimus versprochen, Für seinen zukünftigen Unterhalt Zu sorgen ferner bester Gestalt.

Nun ist auch grade dazumalen Ein absonderlicher Umstand vorgefallen, Welcher für unsern Hieronimus gar Sehr erwünscht und gelegen war.

Nämlich, die Ohnewitzer Bauern haben Eine Schule für kleine Mägdlein und Knaben, Und der Herr, als des Dorfes Patron, Hatte darüber die Collation.

Das A, B, C, D zu studiren, Und zu lernen Lesen und Buchstabiren, Waren alleinig die Studia, Welche man hieselbsten treiben sah.

Alle Gelegenheiten, mehrers zu lernen, That der Herr Patron weislich entfernen, Denn ein Bauer, welcher gelehrt Ist, wird hochmüthig und höchst verkehrt.

Ja, die Erfahrung lehrt es, wenn der Bauer schon versteht seinen Kalender Und sein Katechismus-Büchlein, So bildet er sich schon was Rechtes ein.

Hat er sich nun noch höher verstiegen, So läßt er gemeiniglich die Arbeit liegen, Und dann sieht's höchst elendig und kraus Mit den Pächten und Abgaben aus.

Außer dreißig Thaler Fixum trug dies Dienstchen Dem Herren Schulmeister noch manches Gewinnstchen An Eiern, Butter, Hühnern und Gäns Und manchem ähnlichen Accidens.

Auch ging er, wenn die Herrschaft zu Hause, Am Neujahrstag bei ihr zu Schmause Und bekam dann für die Gratulation Noch ein Geschenk, nach Proportion.

Nun hat es sich damals just begegnet, Daß der Schulmeister dies Zeitliche gesegnet; Und also war man weislich bedacht, Daß ein neuer würde gemacht.

Sobald dies der Herr Patron gehöret, Hat er dem Hieronimus den Dienst verehret; Und folglich trat Hieronimus dann Das Amt des Dorfschulmeisters an.

Zwar wollte nun anfangs das Schulleben Ihm kein sonderliches Vergnügen geben, Denn er hielte von Müßiggang mehr, Als von solcher beschwerlicher Lehr'.

Doch, da er auf dem herrschaftlichen Schlosse Manche Wohlthat und Mahlzeit genosse, Und sich nach geendigter Schule erquickt; So hat er sich in das Lehramt geschickt.

Und sich nunmehr ernstlich vorgenommen, Seinen Pflichten möglichst nachzukommen, Damit er nun lebenslang hinfort Bleiben möchte an diesem Ort.

Auch gedachte er, in verschiedenen Sachen Einige wichtige Aenderungen zu machen, Weil er im hiesigen Schulstand Viele eingerissene Fehler fand.

Er fing auch, nach langem Deliberiren, Wirklich an, manches zu reformiren, Jedoch bekam ihm dieses nicht wohl, Wie der geneigte Leser bald hören soll.