German poem
Die Jobsiade — Siebenunddreißigstes Kapitel
by Karl Arnold Kortum (1745–1824)
Ich muß es der jungen Frau zum Ruhm nachsagen, Daß sie sich immer gar zärtlich betragen, Und es dem jungen Herren noch zur Zeit, Sie zur Gattin zu haben, nicht gereut.
Gar nach schon jetzt verfloss'nen vier Jahren Habe ich nicht das mindeste davon erfahren, Daß der böse Ehegeist Asmodees Angestiftet hätte Streit oder Getös.
Sie fanden darin ihr vorzüglichstes Entzücken, Sich durch getreue eheliche Liebe zu beglücken, Und die junge gnädige Frau hatte schon Nach neun Monaten einen kleinen Sohn.
Sie ist also, wie man deutlich siehet, Ihrerseits ernstlich drauf aus und bemühet, Daß der Ohnwitzer Nam' besteh' Und sein Stamm nicht so bald vergeh'.
Sie hielte nichts von fremden Säugammen, Wie sonst üblich ist bei vornehmen Madammen, Sondern glaubte, ihn von eigner Milch Zu ernähren, sei menschlich und bill'g.
Sie blieb dabei nicht allein viel gesünder, Sondern ihre Reize wurden eher größer als minder; Denn eine so süße schuldige Mutterpflicht Schadet der Gesundheit und Schönheit nicht.
Auch die Kleinen pflegen baß zu gedeihen, Daß sich Gott und Menschen drob erfreuen, Auch der sonstige Nutzen dabei Ist unwidersprechlich noch mancherlei.
Sie ward auch in allem übrigen Verhalten Für'n Muster einer braven Dame gehalten, Und jeder Schönhainer Unterthan Betete sie gleichsam als ihre Göttin an.
Noch immer führete sie das Steuerruder Der Oekonomie bei ihrem lieben Bruder, Und hielte auf dem großen Gute Schönhain Alles fein ordentlich, sauber und rein.
Ihre Schwiegereltern thut sie höchlich ehren, Handelt in allem nach ihrem Rath und Begehren, Und diese lieben sie dafür fast mehr, Als wenn sie ihre leibliche Tochter wär'.
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