German poem
Die Jobsiade — Sechszehntes Kapitel
by Karl Arnold Kortum (1745–1824)
Sintemal man nicht ewig auf Universitäten Bleiben kann, so war's endlich vonnöthen, Daß nach verflossener drei Jahren Zeit, Sich Hieronimus machte zur Abfahrt bereit.
Um seiner Eltern Verlangen und Willen, Die nun seine Heimkunft begehrten, zu erfüllen, That er Alles zu dieser Frist, Was zum Abmarsche nöthig ist.
Zwar brauchte er nicht viel einzupacken; Denn außer Stiefeln, Degen, Weste und Jacken, Und was man an seinem Leibe sonst sah, War nicht 's mindeste Geräthe da.
Nach Büchern brauchte man gar nicht zu fragen, Denn diese thaten ihm niemals behagen, Und außer einer einzigen Predigt nur Besaß er nicht die geringste Scriptur.
Ein Freund hatte ihm selbige verehret Und sie ihm nach und nach auswendig gelehret, Damit er doch einmal ohne Beschwer Zu Hause könnt' predigen, wenn's nöthig wär.
Es that also der Gedanke bei ihm aufsteigen, Wie er sich daheim den Eltern könnt' zeigen, Damit man nicht auf diese Manier Den kahlen Zustand der Sache erführ.
Zuletzt fiel es ihm ein zu sagen, Wenn man nach Koffer und Mantelsack wollt fragen, Daß ihm Alles gestohlen wär Auf seiner Reise gen Hause her.
Auch thaten einige Seufzer entstehen; Armer Hieronime! wie wird's dir ergehen, Wenn man dich einmal examinirt? Denn du hast nichts gelernt noch studirt.
Zwar hat's ihm herzlich gereut und verdrossen, So daß er fast Thränen darob vergossen, Weil er für alle Kosten und Zeit Nicht erworben mehrere Gelehrsamkeit.
Aber alles sein Trachten, Dichten und Denken, Wünschen, Seufzen, Jammern und Kränken Brachten ihm itzo keinen Gewinn, Denn die Zeit war einmal dahin.
Um also seine Grillen zu verlieren, Ließ er formaliter invitiren Seine Freunde auf der Universität, Und gab ihnen den Schmaus zum Valet.
Hier wurde dann tapfer nochmal geschmauset, Getrunken, gelärmet und gesauset, Bis endlich der traurige Morgen kam Und Hieronimus Abschied nahm.
Dieser ging ihm recht sehr zu Herzen Und erregte ihm fast herbe Schmerzen, Ja, er hat wirklich laut geweint Und im Arm seiner Freunde gegreint.
Eh er aber sein Ade genommen, Ist er vorher zum Professor gekommen, Dieser hat ihm für baares Geld, Ein academisch Zeugniß zugestellt.
Es ist zwar nicht gar löblich gewesen, Doch Hieronimus, ohne es zu lesen (Denn es war gesetzt in Griechisch und Latein) Steckte es in den Schubsack hinein.
Ich lasse ihn also nach Hause reisen, Und vorher will ich noch dem Leser weisen Im oben bevorstehenden Kupferblatt, Wie's um seine Gelehrsamkeit gestanden hat.
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