German poem
Die Jobsiade — Sechszehntes Kapitel
by Karl Arnold Kortum (1745–1824)
Wie die alte Herrschaft zu Ohnwitz ihre silberne Hochzeit feiert mit allen Solennitäten.
Wir wollen nun in den närrischen Liebessachen, Auf ein Weilchen eine Pause machen, Und einmal hinüber aufs Schloß gehn, Denn da gibt's was Neues zu besehn.
Dort war ein Gewühl, Treiben und Rennen, Als säh' man irgendwo ein Gebäude brennen, Und vom Kammerdiener bis zum Küchenjung' War alles gestimmt zu Laufen und Sprung.
Von der Kammerzofe bis zur Viehmagd befande Sich alles geputzt im festlichen Gewande, Und vom Schweinhirten bis zum Leiblakei Prangte jeder in Sonntagslivrei.
Alle Schornsteine des Schlosses schmauchten, Mehr als hundert Kochtöpfe dampften und rauchten, Und dreißig Braten, theils zahm, theils wild, Wurden am Feuer gar und mild.
Auch viel Flaschen stunden mit allerlei Weine Aus Ungarn, Frankreich, Spanien und vom Rheine, Theils leicht bestöpselt, theils verpitschirt, In zierlicher Ordnung aufrangirt.
Ein Chor früh versammelter Violinisten, Flötisten, Hauboisten, Waldhornisten, Saßen bei Schnaps und Notenmusik Und machte im Vorhaus zur Probe ein Stück.
Kurz, alle Anstalt schien zu prophezeien Ein großes Triumphiren und Jubeleien; Denn die gnädige Herrschaft feierte heut Ihre sogenannte silberne Hochzeit.
Es erschienen zu diesem herrlichen Feste Frühzeitig viele eingeladene Gäste Vom benachbarten Adel, zu Kutsch' und zu Roß, Auf dem freiherrlichen Ohnwitzer Schloß.
Der ganze Vormittag ging schier zu Ende Mit Scharrfüßmachen und Küssen der Hände, Und Complimenten und Gratulation, Nach dem gewöhnlichen vornehmen Ton.
Mittlerweile ward auf dem gepflasterten Saale Alles bereitet zum hohen Mittagsmahle, Und der Hörner und Trompeten Schall Gab zum Sitzen das frohe Signal.
Es wurde da alles recht fürstlich gehalten, Man aß herrlich und trank blos alten; Herr Doctor Jobs, der vor allen mit aß, Sprach's Benedicite und Gratias.
Auch konnten an einigen Nebentischen Sich noch andere eingeladene Gäste erfrischen, Sie waren alle nur von Bürgerart, Saßen folglich, wie billig war, a part.
Zum Exempel der Hausadvocate, Welcher sein Glas fleißig leeren thate Und nebst dem dicken Justitiar Am ersten von allen berauschet war.
Auch einige geistliche Freunde des Hauses, Gleichfalls keine Verächter eines guten Schmauses, Item der herrschaftliche Secretär Und der gnädigen Frauen Leibaccoucheur.
Alle leerten, als bekannte brave Zecher, Fleißig ihre gefüllten großen Becher Und tranken im hochedlen Rebensaft Aufs hohe Wohl der gnädigen Herrschaft.
Da hatten nun der gnädige Herr und gnädige Frau, beide, Ihren tausend Spaß und übergroße Freude, Denn ein jeder Betrunkner war Auf seine eigne besondre Art ein Narr.
Auch ein in der Nachbarschaft wohnender Poete Hatte von dieser bevorstehenden Fête, Durch die Posaune der Fama, Wind, Und verfertigte drauf ein Carmen geschwind;
Kam also, kurz vor der Mahlzeit, herbeischleichen, That das Carmen mit tiefster Reverenz überreichen, Und empfing höchst graziös davor Ein Almosen von zwei blanken Louisd'or;
Wurde dabei aus überschwenglichen Gnaden Mit an die Nebentafel eingeladen, Saß aber, wie man leicht denken kann, Wegen seines kahlen Rockes, untenan.
Man schenkt' ihm oft ein und er ward trunken; Dies erregte nun sehr seine poetischen Funken, Und man transportirte mit guter Manier, Weil er zu laut wurde, ihn vor die Thür.
Der Rest des Tages verstrich unter Tanz und Springen Und derlei zeitvertreiblichen schönen Dingen; Abends war schöne Illumination, Wobei man eine Tonne Oel verbronn.
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