Versos German Karl Arnold Kortum Die Jobsiade — Sechstes Kapitel

German poem

Die Jobsiade — Sechstes Kapitel

by (1745–1824)

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Von den andern Kinderjahren unsers Helden Kann ich zwar ebenfalls nicht viel melden, Sintemal die Laufbahn des Lebens sein Bishero gewesen noch eng und klein.

Gefolglich ist von seinen Thaten und Werken Eben nichts Sonderliches anzumerken; Jedoch blieb immer, so lang er noch jung, Essen und Trinken seine Hauptbeschäftigung.

Er hatte aber sonst noch viele gute Gaben, Spielte lieber mit Mädchen als mit Knaben, Zankte und neckte auch oft beim Spiel Und machte der losen Streiche viel.

Auch lernte er ohne sonderliche Mühe Lügen, Fluchen und Schwören frühe, Und hat dadurch in der Nachbarschaft Bei andern Kindern viel Erbauung geschafft.

Er schluckte und naschte ebenfalls gerne, Aß Obst, Rosinen und Mandelkerne, Und kaufte für sein bekommenes Geld Die leckersten Sachen von der Welt.

Mit seinen Geschwistern konnt' er sich nicht vertragen, Aber sein Vater that ihn nie schlagen, Und seine Mutter, die gute Frau, Nahm auch selten Alles so genau.

Auch war er viel größer als andre Kinder, Keiner seinesgleichen sprang und lief geschwinder, Und kein einziger war so stark als er, Und wer ihn erzürnte, den nahm er her.

Da es ihm nun nicht fehlte an Kräfte, So verrichtete er manche Hausgeschäfte, Holte zuweilen Futter fürs Vieh Und unterzog sich der Oekonomie.

Oder er ritte die Pferde in die Tränke, Oder er holte Bier aus der Schenke, Brachte auch manches frische Ei, Aus dem Hühner- und Gänsstall herbei.

War auch sonst ein guter dummer Junge, Hatte dabei eine starke kräftige Lunge, Und predigte oft auf der Bank aus Scherz. Dies alles ging seinen Eltern ans Herz.

Denn sie sahen mit innigstem Vergnügen Solche Talente im Hieronimus liegen, Und dachten sehr oft in ihrem Sinn, Da stecket gewiß ein Pfarrer in.

Besonders die Mutter, wenn sie daran dachte, Was ihr vormals Frau Schnepperle sagte, Und an ehmals gehabten Traum, Wußte sich für Freude zu lassen kaum.

Denn Alles schien sich zusammen zu schicken Und die Sache natürlich auszudrücken; Und wenn sie dieses erwoge, so war Der künftige Pfarrer hier offenbar.

Er wurde also und dergestalten Fleißig zur Schule angehalten, Welches doch Hieronimo übel gefiel, Denn er war viel lieber beim Spiel.

Und die Bücher waren ihm zuwider, Er warf sie oft auf die Erde nieder, Und bei dem Lumpen A, B, C, D, That ihm immer der Kopf weh.

Zwar der Präceptor that sich bemühen Ihn zu allem Guten zu erziehen, Und er und die Ruthe in Compagnie Arbeiteten fleißig an seinem Genie.

Dieser Mann hatte vorzügliche Gaben Zu erziehen muthwillige Knaben, Und auf ihre Hosen und Rock Spielte sehr oft sein mächtiger Stock.

Nach vielem Bemühen und sauerm Schweiße Gelang's des Mannes herkul'schem Fleiße, Und Hieronimus buchstabirte bald, Als er ohngefähr war zehn Jahr alt.

Wie alt er aber eigentlich gewesen, Als er fertig das Deutsche konnte lesen, Das weiß ich eigentlich in der That Nicht so genau und accurat.

Da er nun zu größern Jahren gekommen, Ward er aus der Deutschen Schule genommen, Und, um zu lernen das Latein, Geschickt in die Lateinische Schule hinein.

Wie es ihm nun daselbst ergangen, Und was er Gutes sonst angefangen, Dieses stell' ich dem Leser hier In dem folgenden Kapitel für.