Versos German Karl Reinecke-Altenau Verfallener Stollen

German poem

Verfallener Stollen

by (1885–1943)

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Im Holz ein uraltes Stollenloch, Verlassen und vergessen. Lang morschten Pfosten und Verzug, Dreihundert Jahre, die fressen.

Ging alles drin zu Bruch. Es stürzten First und Wange, Und Brocke um Brocke türmte sich hoch, Verbaute Sohle und Gang.

Da hinten drinnen irgendwo, Von Berg und Dunkel nun vermauert, Ging eine Hoffnung einst zur Ruhe, Hat wer auf Glück gelauert.

Fand Erzstreifen nicht und Ader er? – Die Stollenwasser fließen: Wer will nach dreimal hundert Jahr Noch Schicksal und Geheimnis lösen.

Das alte Mundloch guckt und sinnt, Wie schlaflos, fluchbeladen Und über dunklem Torweg spinnt Die Kreuzspinne ihre Faden.

Es rauschen Tannen drüber hin, Vor’m Eingang Himbeeren nicken. Es schlafen Kröte und Molch darin, Es spielen im Sonnenschein die Mücken.

Vom First herab tröpfelt klitsch und klatsch Geheimnisvolles Gefunkel, Und Steine poltern pitsch und patsch – Gespenster gehn im Dunkel.

Drum horchen Farn und Fingerhut Und Himbeeren hinein und harren, Ob nicht ein Fäustel klampern tut Und Schiebkarrenräder knarren.

Ob nicht aus Dunst und Spinngewebe Ein Unschlittlicht noch leuchte, Ob nicht der Berggeist, eine Fee, Ein Wunder herauswärts brächte.