German poem
Es ist des Himmels Schluß
by Laurentius von Schnüffis (1633–1702)
Es ist des Himmels Schluß Den Faulen zum Verdruß/ Daß niemand werd' belohnt/ Der treulich nicht gefrohnt; Vor ausgeraufftem Dorn Wachßt weder Wein/ noch Korn; Ein ungebautes Land Bringt wenig Frucht der weich- und zarten Hand.
Dem Jäger in der Ruh' Laufft das Gewild nicht zu/ Muß sich bewerben lang Umb einen guten Fang: Man schlupfft nicht ein so gleich In das Schluraffen Reich: Nach dem Land Canaan Hat Josuë viel harte Tritt gethan.
Das hat schon Rom erkennt/ Und sinnreich eingewendt/ Indem' es auffgeführt Ein Hauß/ sehr schön geziert/ Woraus es wohl bedacht Zwey Tempel hat gemacht; Der Arbeit einer zwar/ Der andere der Ehr geheiligt war'.
Zum Ehren-Tempel doch War' weder Thür/ noch Loch/ So/ daß man gehn hinein Nicht könnte/ dann allein Nur durch der Arbeits-Thür/ Die offen für und für: Der faulen Burst zur Lehr/ Daß ohne Mühe zu hoffen sey kein Ehr.
Es war auff einem Feld Ein schönes Obs-Gewäld/ So voll der Früchten war' Von reinstem Gold so gar; Ein Drack' lag' aber vor Des Gartens starcken Thor/ Wer was von dieser Frucht Wolt' haben/ mußt' ihn schlagen in die Flucht.
Das schöne Paradeiß Vor diesem hatt den Preiß/ Dann dieses Früchte trägt/ Die man auch Gott vorlegt/ Doch steht an Drackens Stell Ein Creutz am Thür-Geschwell; Wer dieses auff sich nimmt/ Dem ist zu Lohn das Paradeiß bestimmt.
Wer aber allerseits Nur fliehen will das Creutz/ Ohn' alle Arbeit seyn/ Den laßt man dort nicht ein; Dann wer des Creutzes Feind/ Der ist nicht Daphnis Freund/ Und wer ein solcher ist/ Der wird erkennet nicht zu seyn ein Christ.
Das Leyden ist ein Spiel/ Dem auffgesetzt sehr viel; Dem Sieger ist bereit Die Cron der Seligkeit; Wer sich darumb nicht reißt/ Und Krafft-gemäß befleißt/ Nur fliehen will die Mühe/ Der wird niemalen auch bekommen Sie.
Der nicht versucht das Schwerdt/ Ist keines Sieges wehrt; Die ausgestand'ne Schlacht Den Kriegsmann ruchtbar macht: Wer keiner Arbeit hold/ Wird sammlen wenig Gold/ Und wer verschmächt das Bier/ Der ist nicht werth zu trincken Malvasier.
Zu der Erquickungs-Ruh' Rufft Gott nur die hinzu/ So alles Trostes lähr/ Mit Creutz beladen schwär; Wer hier will selig seyn/ Der muß dort leyden Pein/ Das zeuget in der Höll Der reiche Mann/ 9 des Bacchus Tischgesell.
Drumb ist es tröstlich mir Zu leyden viel allhier/ Dann was mich hart da brennt/ Wird mir in Trost verwendt: Das Leyden daurt nicht lang/ Ist nur ein Ubergang/ Nach kurtz-erlittnem Leyd Folgt gähling ohne End die Himmels-freud.
Nach ungeheurer Nacht Die Morgenröht erwacht/ Erfreut die gantze Welt/ Die von der Nacht gequält/ Vertreibt des Hertzens Traur; Nach Donner/ Blitz und Schaur Laßt sehen sich alsdann Der Regenbogen/ trostreich jedermann.
Dem Winter folgt der Lentz/ Setzt auff die Freuden-Kräntz'/ Sein bunt-geblümmtes Kleid Vertreibt das Winter-Läid; Nach Unfall kommt das Glück/ Treibt das Unheil zurück/ Und trücknet ab den Schweiß/ Dem es gemacht zuvor sehr bang und heiß.
Nach Wäinen folgt der Trost/ Der alle Qual hinstoßt: Nach Krieges Wütterey Macht sich der Fried herbey: Nach ungestühmen Meer Legt sich der Wellen-Heer: Nach vielem Ungemach Quällt endlich auch hervor der Nectar-Bach.
Ich fühl auff Erden schon Der Arbeit grossen Lohn/ Dann alles wird mir leicht/ Was ich zuvor gescheucht/ Mir wird in meiner Hand Schon ring/ was ich befand' Vorhero schwär zu seyn; Die Liebe Gottes wirfft den Zucker drein.
Die Creutz-Einbildung macht Den Sonnenschein zur Nacht/ Es scheinet alles hart/ Was sonsten lind/ und zart; Wer diese überwindt/ Viel anderst es befindt; Was kan dem bitter seyn/ Der nur einmal versucht den Liebes-wein?
Wann ich nichts anders hätt'/ Als nur das sanffte Bett/ Wo mein Gewissen ruht In unverstörtem Muht/ So könnt ich wohl mit Fug Erfreuen mich genug; Ach was für harte Sturm' Entstehen nicht von dem Gewissens-Wurm!
Wie plagt/ und nagt er nicht/ Wo er viel Sünde sicht! Was macht er nicht für Pein/ Wo er genistet ein! Wann sich zu Nachts im Hauß Nur regt ein arme Mauß/ Wann nur ein Läublein sich Bewegt/ so geht schon in das Hertz ein Stich.
O wann ihr Menschen wißt/ Wie süß das Leben ist/ Wo das Gewissen frey Der Sünden-Tyranney/ Und/ flüchtig von der Welt/ Allein an Gott sich hält/ Ihr wurdet heute noch Ablegen das schmertzhaffte Sünden-Joch.
Vor grosser Freud kan ich Schier selbst nicht fassen mich/ Daß Gott mich aus dem Kaht Der Sünd gerissen hat: Ihm sey Danck/ Lob und Ehr/ Der mich geliebt so sehr/ Daß er durch allerhand Beschwärnuß mich gebracht zu solchē Stand.