German poem
Hinweg mit allem Pracht
by Laurentius von Schnüffis (1633–1702)
Hinweg mit allem Pracht Der menschlichen Schönheiten/ Weil all ihr Glantz Nichts ist/ als eine Nacht Von den Gebrechlichkeiten Verfinstert gantz; Wo Daphnis zeigt sein Angesicht/ Besteht so gar auch Phœbus 1 nicht.
Vor seiner Schönheit muß Der tolle Turnus 2 weichen/ Alexis 3 ist Nur gegen ihm ein Ruß/ Der Tamyras 4 desgleichen Nur Kaht/ und Mist: Der schöne Käiser Friderich Vor ihm muß weit verkriechen sich.
Des Josephs Leibs-Gestalt/ Ein Wunder in Aegypten/ So lieblich war'/ Daß ihne manigfalt Die Heyden selbst auch liebten/ Und also zwar/ Daß er zur Unehr offt begrüßt Gar mit der Flucht sich schützen müßt.
Es ware Jonathas Mit edlen Schönheit-Gaaben Beglückt so zart/ Daß ihn' ohn' Underlaß Die Menschen wolten haben In Gegenwart: Als welcher in dem Schönheit-Streit Die Weiber übertroffen weit.
Es ist ja Absolon Schier gar ein Gott gewesen An Leibs-Gestalt/ Wann ihn Timanthes 10 schon/ Ein Künstler auserlesen/ Hatt' abgemahlt: So hätt' er seine Schönheit doch Nicht/ wie sie war'/ gebracht so hoch.
Adam, das Meisterstück Selbst eigner Händen Gottes/ War' also schön/ Daß Hyas 11 weit zuruck/ Als nur ein bleich- und todtes Bild/ müßte stehn: Wie solte Gott selbst haben nicht Gemacht das schönste Angesicht?
Doch waren diese all' Nichts/ als farblose Schatten Ohn allen Schein/ Die gegen dem Crystall Ein solche Gleichheit hatten/ Wie Kisel-Stein; Wie scheinend Holtz bey dunckler Nacht Zu dem gantz vollen Sonnen-Pracht.
Daphnis, des Höchsten Sohn/ Ist weit der Schönste under Der Menschen Zahl/ Ab welchem Sonn/ und Mond Erstaunen gantz vor Wunder Am Sternen-Saal; Er ist das wahre Liecht allein/ So allen andern gibt den Schein.
Er ist das Freuden-Licht/ Dem stäts die Flügel-Knaben Seynd zugethan/ Als wessen Angesicht Sie groß Verlangen haben Zu schauen an: In welchem auch insonderheit Gegründet ihre Seligkeit.
Mein Liebster roht/ und weiß Hat mir mein Hertz verletzet So/ daß auff ihn' Ich nun mit höchstem Fleiß All meine Lieb gesetzet So lang ich bin/ Er ist allein/ dem ich vermähl' Auff ewig mein' verliebte Seel.
Er ist viel weisser/ als Der Schnee/ so erst gefallen Zu Winters Zeit; Es muß der Esther Hals/ Gezieret mit Corallen/ Ihm weichen weit/ Dann er ist seines Vatters Glantz/ Und Bildnuß/ so ihm ähnlich gantz.
Weiß ist Er von Unschuld/ Weiß von der allerhöchsten Leibs-Reinigkeit/ Bey welchem sich der Huld Ein jeder kan getrösten/ Der allbereit Schon ihm die Reinigkeit auffweißt/ Derselben oder sich befleißt.
Roht ist Er von der Lieb/ So Er/ den Dritten wehend/ Zum Vatter trägt/ Roht: wann er Kummer-trüb Offt einer Seel nachgehend Sie nichts erhägt. Roht: weil er mit erhitztem Muht Für uns vergossen all sein Blut.
Er ist der schön geziert In rohten Kleidern pranget Von Bosra her/ Der sich im Läid verliert/ Wann man der Welt anhanget Gantz Tugend-lähr; Er ist der sich (vor Lieb gantz roht) Für uns gegeben in den Tod.
Drumb ist er auserwehlt Vor allen Menschen-Kindern/ So je gelebt/: Den man hoch billich hält/ Weil er weit von den Sündern Von Gott erhebt; Dann er/ von schöner Lieb erhitzt/ Nun zu des Vatters Rechten sitzt.
Wer wolte ihn dann nicht Vor aller Welt erwehlen/ Der also schön/ Daß auch die Sonn ihr Liecht Vor ihme muß verhölen/ Und dunckel stehn? Wer einen solchen Bräutigam Nicht liebt/ verflucht er ist/ als Cham.
Ich will der Chloris gern Den Neleûs überlassen/ Mit ihm nur fort: Die Phyllis heur/ und fern Mag auff den Liebsten passen Betrübt alldort. Ich lasse gern Caßiope Mit Cepheûs tretten in die Eh'.
Nun fort mit euren schon Verfaulten Staub/ und Aschen. Liebt immer sie/ Umb einen Coridon, Der sterblich/ werd' ich waschen Die Wangen nie: Daphnis mein eintzige Begierd Auff ewig mich erfreuen wird.
Wie muß man förchten nicht Bey wahrer Lieb das Scheiden Ohn' Underlaß So/ daß offt schier zerbricht Das Hertz/ indem stäts beyden Die Augen naß: Coresus, und Calirrhoë Bezeigen uns des Scheidens-Weh'.
So will dann lieben ich Nichts/ was da ist zerstörlich Auch übernacht/ Nichts: was nur schmertzlich mich Betrübt/ und unauffhörlich Erseufftzen macht: Will lieben/ der mich ewig liebt/ Und durch kein Scheiden mehr betrüb'.