German poem
Meine Augen
by Laurentius von Schnüffis (1633–1702)
Meine Augen/ Die voll weicher Perlen stehn/ Mir nun taugen Nach des Daphnis Gnad zu gehn: O ihr Thränen Fliesset häuffig früh/ und spaht/ Zu versöhnen Meiner Sünden Missethat.
Agar wäinte Umb den lieben Ismaël, Daß sie scheinte Auffzugeben ihre Seel/ Sie verzagte Schier um ihr tod-schwaches Kind/ Aber klagte Ihre Plag dem lähren Wind.
Von dem Brunnen Vieler heisser Zähern war' Uberrunnen Jacobs Leib fast immerdar/ Ihn bekränckte Sein verlohrner Joseph hart/ Schier vertränckte In den Thränen seinen Bart.
Das verbeinte Gottloß Israëliter-Volck Dorten wäinte/ Wie ein ausgebrochne Wolck/ Ihre Thränen Flossen nach Aegypten-Land Nach dem schönen Knoblauch-reichen Ubelstand.
Als durch Flammen/ Wie ein dürres Holtz-Gehäg/ Dort zusammen Eingefallen Siceleg, Wäinte kläglich David sammt dem gantzen Heer So unsäglich/ Daß kein Zäher übrig mehr.
Heisse Zäher Hat mit grossem Läid beschwärt/ Der Vorseher Hieremias ausgelährt/ Als vor Zeiten Er der Stadt Jerusalem Müßt andeuten Ihre Blut- und Thränen-Schwemm.
Gantze Bäche Wäinte David auch so gar Als der freche Absolon erstochen war'/ Weil er wüßte/ Daß sein Gott-vergeßner Sohn Büssen müßte In dem tieffen Acheron
Ohn' auffhören Wäinte Petrus immerfort/ Zu verstöhren War' er auch an keinem Ort/ Endlich haben Ihm die Thränen eine Furch Auffgegraben Durch die Wangen durch und durch.
Der gezierte Wunden-Träger von Assis Offt verliehrte Sein Gesicht durch Thränen-Güß! Er bewäinte Daphnis Tod so schmertzlich sehr/ Daß er scheinte Zu zerrinnen in ein Meer.
Diese Thränen Möcht ich ihnen allzumal Abentlehnen Zu versencken meine Qual: Gantz zerfliessen Müßte auch so gar mein Hirn/ Wasser giessen Wie des Wassermanns Gestirn.
Ich will wäinen/ Wie ein Mutter-loses Kind; Mit der reinen Fara werden endlich blind/ Die erblinden Lieber wolt' aus grosser Scham/ Als verbinden Sich mit einem Bräutigam.
Meine Glieder Sollen trieffen immerdar/ Dem Geschlüder Gleich von angefangnem Jahr; Meine Wangen Sollen von der Sünd beschämmt Wegen langen Wäinens werden überschwemmt.
Ich will machen Mir ein eignes Thränen-Teich/ Und verlachen Den Neptun in seinem Reich/ Will im tieffen Augen-Wasser watten her/ Also trieffen/ Als wann ich die Thetys wär.
Satte Thränen Wird mir geben meine Reu/ Zu versöhnen Mich mit Daphnis auff das Neu: Wann ich meine Sünd'/ und Daphnis Lieb bedenck/ Ich umb keine Thränen-Armuth mich bekränck'.
O ihr Sünde/ Billich muß ich hassen euch/ Dann ich finde/ Daß ihr seyt ein' böse Seuch: Ach wie schmertzet Ihr das Hertz/ so euer frey/ Recht behertzet/ Was da Gott erzörnen sey.
Auff die Freuden/ Bald verschlucktes Linsen-Muß/ Folgt das Leyden Einer lang- und harten Buß: Esau büßte Seine kurtze Wollust lang; Der versüßte Apffel macht uns allen bang.
Doch ihr Büsser Allen Schrecken von euch leint/ Dann viel süsser Ist die Buß/ als man vermeint: In der herben Schelffen ist ein süsser Kern: Trost erwerben/ Die mit Daphnis leyden gern.
Was man liebet/ Ob es schon sehr hart/ und schwär/ Nicht betrübet Wann es selbst der Tod auch wär': Edle Ritter Haben in dem Streit nur Lust/ Alles bitter Ist Liebhabern unbewußt.
Ey so fliesset Stäts ihr meine Augen beyd'/ Dann versüsset Wird dardurch mein Hertzen-Läid: Herbe Thränen Werden durch die Hoffnung süß/ Helffen denen/ Die gefallen/ auff die Füß.
Von dem Wäinen Will ich nimmer lassen ab/ Biß ich meinen Daphnis gantz versöhnet hab: Will erträncken In den Thränen meine Sünd'/ So versencken/ Daß auch Gott sie nicht mehr find'.