German poem
Satan sammt allen Gespenstern der Höllen
by Laurentius von Schnüffis (1633–1702)
Satan sammt allen Gespenstern der Höllen/ Welche des Menschen gefährlichste Feind/ Einen gottsförchtigen Menschen zu fällen/ Warlich so mächtig bey weitem nicht seind/ Als die Leichtfertigkeit böser Welt-Kinder/ Weilen geschwinder Der Mensch durch eine böse That Verführt wird/ als durch blossen Raht.
Welcher mit spitzigen Dörnern umbgehet/ Ohne Verletzung kommt nimmer darvon; Waitzen/ der unter die Distel gesäet/ Leichtlich ersticket/ wie gut er auch schon; Malvasier unter dem Eßig nicht dauret/ Gäntzlich versauret: Wer bey den Bösen Freundschafft sucht/ Mit ihnen auch bald wird verrucht.
Unter den räudigen Schaafen niemalen Bleibet ein sauberes Lämmlein gesund; Auch so gar göldne Becher/ und Schalen Werden besudlet von kräncklichem Mund: Köche bey rußigen Häfen/ und Härden Schmutzig bald werden: Wer Vögel-Kleb/ und Hartz berührt/ Wird von demselben leicht beschmiert.
Weißlich die Vögel dem Geyer abweichen/ Billich abscheuhet den Habich die Daub/ Wann sie viel wolten mit ihnen umbstreichen/ Wurden sie ihnen bald werden zum Raub; Lämmer/ der Wölffen Gemeinschafft beflissen: Werden zerrissen: Wer sich den Träbern mischet ein/ Den fressen/ wie man sagt/ die Schwein.
Dieses hat Dina genugsam erfahren/ Als sie welt-süchtig gezogen von Hauß/ Hätte den Kosten wohl können erspahren/ Massen es übel geschlagen ihr auß/ Dann sie ein seufftzende Trägerin wurde Kindlicher Burde: Bey Frommen in dem Vatterland Erlidten hätt kein solche Schand.
Lucifer unter den Englen schlimm hausend/ Wegen der Boßheit ein räudiges Schaff/ Tödtlich ansteckte derselben viel tausend/ Zoge sie mit sich zur ewigen Straff; Wenig sind die nicht durch böse Gesellen Fahren zur Höllen: Ein fauler durchgehölter Zahn Steckt unvermerckt viel andre an.
Salomon, welcher in blühender Jugend Weiser gewesen/ als niemand vor ihm/ Welchen Gott wegen vielfältiger Tugend Oeffter gewürdigt mit leiblicher Stimm/ Als er die Heydnische Weiber berühret/ Wurde verführet: Ein zahmer Baum im wilden Wald Die gute Art verliehret bald.
Petrus hat unter den bösen Gesellen Bey dem Feur sitzend sich hefftig verbrennt/ Als er den Menschen bekennen nicht wöllen Welchen er besser/ als niemand/ gekennt/ Eine nur schwache Magd machte den alten Felsen zerspalten: Dem Stroh kommt die Gesellschafft theur/ Wann es sich nahet zu dem Feur.
Judas ist worden der ärgste Mißthäter/ Weil er der Juden Gemeinschafft gesucht/ Wurde gar seines Erlösers Verrähter Also/ daß er sich auch selbsten verflucht/ Wäre zu solcher Mißhandlung nicht kommen Unter den Frommen: Dem Mäußlein/ so mit Katzen spilt/ Unfehlbar es das Leben gilt.
Weilen Proserpina 9 eintzig spatzierte Frecherweiß auff dem Ennæischen Feld/ Pluto 10 von dannen sie gähling entführte Nach dem unlustigen Höllen-Gewäld/ Wäre/ wann sie die Gesellschafft geschohen/ Leichtlich entflohen: Wer sich nicht scheucht vor böser Schaar/ Der geht zu grund in der Gefahr.
Abraham mußte die Freunde verlassen/ Vatter/ und Mutter aus Gottes Geheiß/ Böse Gesellen abscheuhen/ und hassen/ Meiden das schädliche Götzen-Geschmeiß/ Also sich selber von schlimmen/ und bösen Freunden erlösen: Der Safft muß abgesöndert seyn Von Träbern/ soll er werden Wein.
Gleicher weiß müßte von Sodoma weichen Eylends der übel-gesellete Loth, Ohne verschnauffen dem Berge zu keichen/ Gäntzlich verlassen die sündige Rott/ Hätte unschuldig sonst eben auch müssen Fremmde Sünd büssen: Wer sich den Mördern zugesellt/ Sich selbst ein böses End erwehlt.
Moyses bey Pharaon wolte nicht bleiben/ Ob er schon wurde gehalten sehr hoch/ Wolte viel lieber die Wullen austreiben/ Als sich ergeben dem Heydnischen Joch/ Sorgte von Gott sich gar endlich zu scheiden Unter den Heyden: Wer ein verfaultes Aaß nicht fliecht/ Auch den Gestanck bald an sich ziecht.
Wann dich die Sünder/ sagt Salomon, locken/ Lasse bey Leib dich mit ihnen nicht ein/ Ob sie schon zeigen die köstliche Brocken/ Göldene Schalen mit Cretischem Wein/ Sonsten wirst du es in ewigen Qualen Müssen bezahlen: Dann keinem wird die Zech geschenckt: Heißt/ mit gestohlen/ mit gehenckt.
Unter der bösen Gesellschafft ich immer/ Läider! gewesen von Jugend auff bin/ Wurde dahero nur immerdar schlimmer/ Lauffend' nach aller Leichtfertigkeit hin So/ daß ich endlich im Cyprischen Orden Meisterin worden/ Vertiefft gantz in der Sünden-Höll/ Vertretten hab'/ der Lais Stell.
Endlich als Daphnis mich also gesehen Unter der nunmehr verworffenen Schar/ Daß es umb meine Seel wäre geschehen/ Massen ich ärger/ als Rosemund war/ Hat Er sich meiner Gottlosen erbarmet/ Heimlich umbarmet/ Und aus des Satans Rachen mich Gezogen mit Gewalt zu sich.
Gleich wie Andromede wurde errettet Aus dem Verderben durch Perseus Hand/ Als sie am Felsen anhangte gekettet/ Und sich nun gäntzlich verschätzet befand'; Also hat Daphnis mich aus dem gewissen Elend gerissen: Das von Andromede Gedicht An mir ist worden ein Geschicht.
Orpheûs hat seine Gemahlin entzogen Mittels der Harpffen dem traurigen Reich Weilen er aber dem Pluto gelogen/ Hat er verlohren sie wiederumb gleich/ Welches Verbrechen Euridice büssen Schmertzlich hat müssen: Mich Daphnis aber hat erlößt/ Daß ewig ich darmit getröst.
Machte die böse Gesellschafft mich fliehen/ Stellte mich völlig auff sicheren Fuß; Ach daß ich sie auch mir könnte nachziehen/ Ernstlich zu würcken erforderte Buß! Daß wir nachmalen/ gottselig bereuet/ Wurden erfreuet: Ach werdet schmertzlich doch berührt Ihr endlich/ die ich hab' verführt!
Eya dann Sünden-vertieffte Welt-Kinder Kommet/ und folget mir büssenden nach; Wer sich selbst straffet/ der büsset gelinder/ Rettet sich selber vor künfftiger Schmach: Allezeit pflegen beläidigte Waffen Strenger zu straffen. Wo Gott nicht muß/ da strafft Er nie/ Wer sich selbst strafft/ spart Ihm die Mühe.