German poem
Was kan doch auff Erden
by Laurentius von Schnüffis (1633–1702)
Was kan doch auff Erden Geliebet mehr werden/ Als süsses Gesang? Was treibet von Hertzen Behender die Schmertzen/ Als lieblicher Klang? Die Music allein Die Thränen abwischet/ Die Hertzen erfrischet/ Wann sonst nichts hülfflich will seyn.
Die Music vertreibet/ Vertilget/ verschreibet Nach Thule 1 das Läid/ Macht Hinckende springen/ Verzagende singen Vor hertzlicher Freud: Sie treibet die Feind' Den Frieden zu schliessen So/ daß sie offt müssen Gezwungen/ werden gut Freund.
Mit klingender Harffen Hat David den scharffen Sauls-Grimmen gestillt So/ daß er/ offt wütig/ Gleich worden gantz gütig/ Wann David gespilt: Woferren nicht dort Die fromme Propheten Gesungen schön hätten/ Hätt' er sie alle ermordt.
Die Music den Krancken Macht ringe Gedancken/ Vertreibet das Gifft: Offt haben die Säiten In schwären Kranckheiten Viel gutes gestifft: Der liebliche Thon Die Immlein bethöret/ Daß/ wann sie empöret/ Nicht können fliegen darvon.
Die Löwen/ und Bären Sich Freunde erklären Bey klingendem Spiel/ Ja wer sie will fangen/ Kan leichtlich erlangen Durch Music sein Ziel: Die grimmige Thier Hat Orpheûs 7 gedemmet Gezogen/ gehemmet So/ daß zahm worden sie schier.
Es hatte dort einer/ Dem gleich vielleicht keiner/ Des Heinrichs Gemüht/ (Als welcher bey Frommen Den Namen bekommen Von freundlicher Güt') Durch künstlichen Klang Zu tödtlichen Schlägen Gar können bewegen/ Den sonst kein Eyfer bezwang'.
Als krancken Leibs wegen Franciscus gelegen In schmertzlicher Qual/ Der Music begehrte/ Ihn niemand gewehrte Der Bitte damal; Durch eintzigen Strich Der himmlischen Säiten/ Loß aller Schwachheiten Gleich in Verzuckung hinwich'.
Was pranget/ ach! aber Der Music-Liebhaber Mit eitelem Thon? So bald er auffhöret/ Ist alles verkehret In Traurigkeit schon: Ein eintziges Wort Aus Daphnischer Kehlen Von ängstigen Seelen Treibt alle Kümmernuß fort.
Wann Daphnis sagt: komme Mein' schöne/ und fromme Hertz-Freundin zu mir/ Der Winter geschlichen/ Der Regen gewichen Ist völlig von hier: Was könnte doch seyn Erwünschter zu hören: Von Englischen Chören/ Als solche Wörter allein.
O Music/ vor allen Anmühtigen Hallen Sehr lieblich/ und schön! All Harffen/ und Geigen Still müssen ja schweigen Vor diesem Gethön; Arion 12 selbst muß Die Zitter ablegen/ Darff keine Hand regen/ Sein Spiel ist lauter Verdruß.
Als Assuër dorten Mit freundlichen Worten Die Esther gegrüßt/ Da hat er ihr liebes/ Von Kümmernuß trübes/ Hertz völlig ersüßt: Amphion 14 nicht hätt' Mit lieblichem Zicken Sie können erquicken/ Wie Assuër, da er geredt.
Hat Assuërs Zungen Der Esther durchdrungen So lieblich das Hertz/ Und ihre Trangsalen Sammt allen den Qualen Verkehret in Schertz? Wie meynst du/ wird nicht Mich Daphnis erquicken/ Mit lieblichen Blicken/ Wann er mir freundlich zuspricht?
Als Phœbus 15 auffspilte/ Mit Wunder erfüllte Der Driaden Reich/ Ist Athis 17 vermessen Dort nidergesessen Zu singen ihm gleich; Sie aber hat bald/ Die Frechheit zu büssen/ Vor Lieblichkeit müssen Den Geist auffgeben im Wald.
O Daphnis, dein Reden Mir Schwachen/ und Blöden Durchdringet das Marck/ So häuffige Freuden Mir länger zu leyden/ Will werden zu starck! Unfehlbar werd ich Vor Süßigkeit müssen Mein Leben beschliessen/ Wirst du nicht stärcken bald mich.
Vor diesem sein' Feindin: Sein' Daube/ sein' Freundin Mich Daphnis jetzt nennt/ Ja auch so gar seiner/ Nicht schlecht -und gemeiner Liebwürdig erkennt; Er ladet mich eyn Ohn alles Verweilen Zu ihme zu eylen/ Was mag die Ursach doch seyn?
Man könnte der Sachen Die Rechnung bald machen Was Er darmit meint: Die/ welche den Willen Des Daphnis erfüllen Seynd ihme befreundt: Er wollte/ daß ich Die Sünde sollt' hassen/ Die Wollust verlassen/ Und ihm' ergeben gantz mich.
Die Dauben in Ritzen Der Felsen gern sitzen/ Zu ruhen alldort/ Ich hab' mich auch eben Mit ihnen begeben Zum sichersten Ort/ Indem ich/ verspehrt In Daphnis halb-runden Blut-trieffenden Wunden Die Zeit mit Seufftzen verzehrt.
Der/ welcher vertreulich Von dem/ was bereulich/ Zu Daphnis sich kehrt/ Von seinem Trost-reichen Mund eben dergleichen Wort alsobald hört: Komm/ Freundin/ mein Daub' Zu deiner Belohnung Die stäte Beywohnung Bey mir dir ewig erlaub'.
Ihr Harffen erstummet/ Ihr Zincken erkrummet Vor diesem Gethön; Dein Singen ist heulen/ Geh' singe den Eulen/ Kunstreiche Camœn? Auch Orpheûs mich nicht/ Wie künstlich er krätzet/ Wie Daphnis ergetzet/ Wann Er mir lieblich zuspricht.
So will ich dann fliehen/ Der Welt mich entziehen/ Und bleiben allein; Von allem Getümmel Und Menschen-Gewimmel Entferret zu seyn/ Auff daß ich die Stimm Des Herren mög' hören/ Und ohne Verstören Mich könn' ergetzen mit ihm.