German poem
Der Todtenkopf im Walde
by Ludwig Neuffer (1769–1839)
Du kahler Schädel, welcher zersplittert hier Auf öder Heid’ am Strahle der Sonne bleicht, Den Menschen unwerth und den Manen, Aber dem Wandrer ein böses Zeichen;
Wer bist du, daß vergessen, ein leichtes Spiel Der Winterstürm’, und ohne Beerdigung Du hier am Hügel rollst? Welch Schicksal Warf dich in diese verlaßne Wildniß?
Erwürgte hier ein laurender Feind vielleicht In schwarzer Nacht den eilenden Wanderer, Und nahm durch Meuchelmord auf ewig Ihm den erwarteten Tag der Heimkehr?
Bestraften hier die rächenden Furien Geheimen Frevel? Oder bewaffnete Des Elends Wuth dem langen Dulder Gegen den Busen die eigne Rechte?
Du schweigst. Des Schicksals richtender Augenblick Ist längst vorüber; aber noch liegst du hier Ein später Zeuge stummer Unthat Unter dem Himmel in Thau und Wettern.
Noch keine Hand bestreute mit Erde dich, Kein frommes Zeichen ehrt der Gebeine Platz, Und unbekümmert streift der Jäger Heute wie morgen an dir vorüber.
Neuffer.