Versos German Otto Ernst Schmidt Walpurgisnacht

German poem

Walpurgisnacht

by (1862–1926)

Listen in the reader

Zu Roß, mein Lieb, mein süßes Lieb, Wir müssen schnell von dannen, Von dannen durch die tiefe Nacht, Durch Feld und Hag und Tannen! Hinweg von unsrer Feinde Herd, Die uns nur Fluch und Hohn beschert Und uns ins Elend bannen.

Blick' auf, mein Lieb, mein süßes Lieb, Walpurgisnacht ist heute! Es schwirren um den starren Berg Gar wundersame Leute. Es drehen sich im Hochzeitstanz Und treiben wilden Mummenschanz Die grauen Hexenbräute.

Fürwahr, mein Lieb, mein süßes Lieb, Sie gleichen ganz den Fratzen, Die unser Glück vergifteten Mit Drohn und süßem Schwatzen. Die Augen stieren gläsern kalt; Die Leiber sind verschrumpft und alt; Sie fauchen wie die Katzen.

Hinweg, mein Lieb, mein süßes Lieb, Hier kann das Glück nicht weilen. Umfasse du mich ohne Graun Und laß uns fürder eilen! Wir finden unsre Heimat doch, Und läg sie in der Ferne noch Viel hundert, hundert Meilen!—

O sieh, mein Lieb, mein süßes Lieb, Zerflattert sind die Sorgen! Da steigt die Sonne rot empor, Die sich so lang verborgen. Was ferne glüht in stiller Pracht Und was so hell in uns erwacht: Das ist der Maienmorgen!