Versos German Otto Ernst Schmidt Was denkt der Schuft?

German poem

Was denkt der Schuft?

by (1862–1926)

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Es zogen Sechzigjährige hinaus Und trugen, jung gestrafft, des Kriegs Beschwerde. Die hart verdiente Ruh' verschmähten sie Und lösten sich vom liebgewohnten Herde. Sie dachten: Unser Leben blüht von vorn!— Was denkt der Schuft? Er denkt: Wie wuchre ich mit meinem Korn?

Es stürmten Sechzehnjährige zum Kampf Und dachten nicht, im Mutterarm zu warten. Ein ganzes Leben—ihnen galt's so viel, Um Breschen auszufüllen oder Scharten. Sie dachten: Wer vorm Feinde fällt, stirbt nie!— Was denkt der Schuft? Er denkt: Wie hoch verschachre ich mein Vieh?

Und Mütter setzten in das grause Spiel Drei Söhne, vier und mehr, so viel sie hatten; Sie zahlten in den Schatz des Vaterlands Mit Kindesblut und mit dem Blut der Gatten. Sie dachten: Siegt mein Volk, so lohnt der Kauf! Was denkt der Schuft? Er denkt: Wie treib ich meinen Zins hinauf?

Und kommen wird der Tag, da Blumen blühn Aus jedem Grab, in das ein Glück versank, Und kommen wird der Tag, da Ähren stehn Auf jedem Grund, der Blut und Tränen trank, Und Deutschland preist sein eisernes Geschick! Was denkt der Schuft? Er denkt nicht mehr; er hängt, will's Gott, am Strick.