German poem
Sehnsucht
by Paul Kraft (1896–1922)
Einmal nur dich wiedersehn, Dir zu Füßen fallen, Meine Blicke um dich wehn, Blondeste von allen!
Daß dies Zimmer einmal noch Meine Lust umschließe, Seinen Schimmer einmal noch Über mich ergieße,
Einmal noch dein goldener Gang Mir vorüberschwebe Und mein Herz im Überschwang Einmal noch erbebe!
Daß dein Aug' noch einmal nur Gold und Güte sprühe, Einmal hinter deiner Spur Noch mein Schritt erglühe!
Räume zwischen uns, vergeht! Wirbelt uns zusammen, Daß, was brünstig sie erfleht, Seele mag entflammen!
Dein Gesang, der mir nicht tönt, Wird mich mild umrauschen, Daß ich, gütig und versöhnt, Lauschen kann, nur lauschen.
Lächeln, das nicht mir erglüht, Wird mich grün umranken, Daß mein zitterndes Gemüt Danken kann, nur danken.
Und dein Blick, der mir nicht gilt, Mich zu Sternen heben, Daß mein Herz, von Gott erfüllt, Schweben kann, nur schweben!
Du nur bist Licht und Luft und Element
Mein Herz schlägt desto feuriger nach dir, Je dicker sich die Zeit ballt, die uns trennt, Und bäumt sich in der Glut, die es verbrennt, Empor aus dem verpesteten Revier.
Was nicht zu dir gehört, erscheint als Tier. Du nur bist Licht und Luft und Element. Und nur dem Ton gebiet' ich, der dich nennt, Und der nur loht und wird zu Kunst in mir.
Dein Herz, schon göttlich und Emblem der Güte, Von meinen Strophen grenzenlos entfacht, Ist doch dem Göttlichen nicht so vermählt,
Daß mich nicht auch dein Menschliches beseelt Im Wirbel deines Blondes durch die Nacht, Vor dem ich einst in Tau und Tränen kniete.