Versos German Peter Rosegger Mein Ehrgeiz

German poem

Mein Ehrgeiz

by (1843–1918)

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Die Ehr' ist jenes Gut, Das mir am höchsten frommt, Doch nicht die flüchtige Ehr', Die nur von außen kommt.

Ein großer Dichter, traun, Das hört sich süß und fein; Doch höher stünd' mein Stolz: Ein großer Mensch zu sein.

Die Ehre, flach geweht Hin über Länder weit, Ist nichts gleich eines Menschen Tiefer Dankbarkeit.

Wer nur um Ehre schafft, Der ist zwar wert der Ehr', Der äußeren bunten Zier, —Doch sonst auch nicht viel mehr.

Wenn einst ich sterben muß, Soll keine Trauerschar Von Gleisnern folgen mir Zu meiner stillen Bahr'.

Nicht Nekrolog, nicht Stein, O Gott, man kennt die Weis'; Sie ehren Tote bloß Zu ihrem eigenen Preis.—

Nur eines wollt' ich, daß Ein Braver sagen kann An meinem schlichten Grab: Er war ein braver Mann.

Ein Becher, füllt ihn Gott mit Wein ...

Ein Vater lag im Sterben, Drei Söhne sollten erben. Der eine war ein Bauersmann, Der pflügen, säen und ernten kann, Der erbte die Höfe, die Felder, Die Gärten, die Wiesen, die Wälder. Der andre war ein Hammerschmied, Dem gab der Vater, als er schied, Die Hämmer und all die Geräte, Auf daß er Werkzeug hätte. Der dritte war ein munterer Knab' Mit Sängerkehl' und Wanderstab, Nach Vaterswill' dem verbliebe Sein Menschenherz voll Liebe.—

Und als vorbei der Jahre zehn, Da hat man schon das Ziel gesehn. Der eine sorgte Tag und Nacht, Bis endlich er's zu Geld gebracht; Der andre sorgte Stund' um Stund', Daß nur sein Haufen Geld nicht schwund; Der dritte zog von Sorgen frei Mit Sang an Not und Geld vorbei, Und schöpft' mit Wonne, teilt mit Lust Die Lieb' aus seiner Dichterbrust, Und streut' ohn End' von Haus zu Haus Die Gab' an Arm' und Reiche aus.— Ein Becher, füllt ihn Gott mit Wein, Wird ewig unerschöpflich sein.