German poem
Sylvester
by Peter Rosegger (1843–1918)
Wie? Zur mitternächtigen Stunde Hör' ich laute Kreise tagen? Sylvestergläser klingen, Sylvesteruhren schlagen. Essen, trinken, spielen, scherzen! Ohne Sorge, ohne Reue Taumeln sie von Jahr zu Jahre, Und vom alten in das neue. Ob auch ich dabei bin?—Nein. Lasset mich mit mir allein.
Einsam in der Scheidestunde Will ich Glücks und Leids gedenken, Muß ich doch ein Stück von meinem Leben in die Grube senken, Muß ich doch mein wundes Herze In die fremde Zukunft tragen. Ist's denn möglich, daß man scherze, Wenn verhüllte Zeiten tagen?— Diese Weihestund' ist mein. Lasset mich mit mir allein.