Versos German Richard Zoozmann Berliner Schusterjunge

German poem

Berliner Schusterjunge

by (1863–1934)

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Der fröhlichste Knirps auf der ganzen Welt, Der seine Sache auf nichts gestellt, Ob alles sich dreh im Schwunge – Der immer kalauert, singt und pfeift Und alles verzeiht, weil er alles begreift; Ist unser Schusterjunge!

Tagüber kauert der kleine Wicht Im Keller bei dürftigem Sonnenlicht, Putzt Stiefel und schält Kartoffel. Der Meister gerbt ihm tüchtig das Fell, Die Meisterin schilt ihn – und Bursch und Gesell, Die nennen ihn Stiesel und Stoffel.

Ein trauriges Leben – getreten, geduckt; Und manches heimliche Thränlein schluckt Der arme Bursche hinunter. Sein Los ist so schwarz wie sein Lederschurz Ein Glück, dass der Jugend Gedächtnis so kurz: Im Nu ist sie fröhlich und munter.

Am liebsten besucht er Strass auf und ab Die Häuser der Kunden im Dauertrab, Da fühlt er sich neugeboren. Auf Plätzen und Dämmen, in Sonne und Luft Ist keiner, der straflos ihn pufft und knufft Und Haare zerzaust und Ohren!

Ein Stiefelpaar über die Schulter gehängt, So kommt er kühn um die Ecke geschwenkt, Die Hände im Schurzfell vergraben. Stolz blickt er, klappernd im Holzpantin, Als wollt er fragen: »was kostet Berlin? Und schenkt ihr’s, ich wollt es nicht haben!«

Er steckt in den Mund sich hochentzückt – »Auflese« ist es, vom Pflaster gepflückt – Einen breiten Cigarrenstummel. Der kohlt – doch das thut nichts, giebt es nur Rauch, Ein Schusterjunge »kohlt« ja doch auch – Und Qualmen verschönt erst den Bummel!

Und treffen zwei Buben sich – welch eine Lust! Da wird manch Geheimnis aus tiefster Brust Enthüllt mit wichtigen Geberden. Doch giebt es wo eine Rauferei, – Um selbst mal zu hau’n, sind sie sicher dabei, Statt vom Meister gehau’n zu werden.

Und geht es zwei Tage mal ohne Geklopf, Und ohne Ermahnung auf Buckel und Kopf, So ängstigt ihn diese Liebe. Dann denkt der Junge und wundert sich: Was hat nur der Meister gegen dich? Seit gestern keine Hiebe!