German poem
Die verschwiegene Nachtigall
by Richard Zoozmann (1863–1934)
Die verschwiegene Nachtigall.
Unter der Linden Bei der Heide, Wo unser zweier Bett gemacht, Da mögt ihr finden, Wie wir beide Pflückten im Grase der Blumen Pracht. Vor dem Wald in tiefem Tal, Tandaradei! Lieblich sang die Nachtigall.
Ich kam gegangen Hin zur Aue – Mein Trauter harrte schon am Ort. Wie ward ich empfangen, O Himmelsfraue! Des bin ich selig immerfort. Ob er mich küßte? Wohl manche Stund, Tandaradei! Seht, wie ist so rot mein Mund.
Da tät er machen Uns ein Bette Aus Blumen mannigfalt und bunt. Darob wird lachen, Wer an der Stätte Vorüberkommt, aus Herzensgrund: Er wird sehn im Rosenhag, Tandaradei! Sehen, wo das Haupt mir lag!
Wie ich da ruhte, Wenn man es wüßte, Barmherziger Gott – ich schämte mich. Wie mich der Gute Herzte und küßte, Keiner erfahr es als er und ich, Und ein kleines Vögelein – Tandaradei! Das wird wohl verschwiegen sein!