German poem
Ständchen
by Richard Zoozmann (1863–1934)
Schön schläft das müde Haupt der Nacht, Auf Wolken hingebettet, Die Perlenschnur gestirnter Pracht Durchs dunkle Haar gekettet. Noch einmal athmen tief und bang Die Wälder auf und lauschen, Und leise ziehn und rauschen Die Wasser ihren Gang.
Nun leg’ auch du in Fried und Ruh Das Haupt aufs Kissen nieder! Der schönste Engel deck’ dich zu Mit himmlischem Gefieder! Die Fensterläden schließe dicht, Auf daß der Mond, der helle Neugierige Geselle, Nicht in dein Stübchen bricht!
Bald wird der Himmel liebreich dich In Schlaf und Traum versenken; Doch schlaflos ruhen werde ich, Beseligt dein zu denken. Was mir durch Herz und Seele geht An zärtlichen Gedanken, Soll alles dich umranken Als schützend Nachtgebet!