German poem
Tanzliedchen
by Richard Zoozmann (1863–1934)
Gar sehr lieblich kommt der Maien, Angethan das Blumenkleid, Weisse Blüten lässt er schneien; Ei! zum lieben und zum freien Ist es jetzt die schönste Zeit. Lasst uns drum den Reihen schlingen Und die flinken Füsse schwingen, Lasst mit Singen Und mit Klingen Unsern Gruss dem Lenze bringen! – Reiche die Hand nun dem Burschen, mein Kindchen, Kehr’ dich nicht, wehr’ dich nicht, zieh’ nicht das Mündchen, Tanze und hüpfe zur mailichen Zeit!
Gar sehr lieblich bist du, Kleine, Der entgegentanzt mein Herz; Heb’ das Röckchen, denn auf deine Zartgeformten schlanken Beine Kannst du stolz sein allerwärts. Lass mich denn mit dir mich schwingen, Lass die kleinen Füsschen springen, Lass mit Singen Und mit Klingen Unsre Lust dem Lenze bringen. Reich’ mir dein Händchen, du niedliches Kindchen, Lach’ mit dem roten, dem kirschroten Mündchen, Komm’ an die Brust mir, und komm’ an mein Herz!
Gar sehr lieblich ist’s, zu Zweien In der blauen Mondespracht Still zu freuen sich des Maien, Wenn die Sternlein ihren Reihen Leuchtend ziehen, glutentfacht. Da die Sterne nun sich schwingen, Sollst du, Liebchen, nicht mehr springen, Sollst mit Singen Und mit Klingen Mir dein hüpfend Herzchen bringen. Reich’ mir dein Händchen, du reizendes Kindchen, Reich mir dein quellendes, schwellendes Mündchen – O du vielglänzende, lenzende Nacht!