German poem
Der Wagen rollt
by Rudolf Baumbach (1840–1905)
Der Wagen rollt.
Hoch auf dem gelben Wagen Sitz’ ich bei’m Schwager vorn. Vorwärts die Rosse jagen, Lustig schmettert das Horn. Berge und Wälder und Matten, Wogendes Aehrengold. — Möchte wohl ruhen im Schatten, Aber der Wagen rollt.
Flöten hör’ ich und Geigen, Kräftiges Baßgebrumm; Lustiges Volk im Reigen Tanzt um die Linde herum, Wirbelt wie Laub im Winde, Jubelt und lacht und tollt. – Bliebe so gern bei der Linde, Aber der Wagen rollt.
Postillon an der Schenke Füttert die Rosse im Flug; Schäumendes Gerstengetränke Bringt uns der Wirth im Krug. Hinter den Fensterscheiben Lacht ein Gesichtchen hold. – Möchte so gern noch bleiben, Aber der Wagen rollt.
Sitzt einmal ein Gerippe Hoch auf dem Wagen vorn, Trägt statt Peitsche die Hippe, Stundenglas statt Horn – Ruf’ ich: „Ade ihr Lieben, Die ihr noch bleiben wollt; Gern wär’ ich selbst noch geblieben, Aber der Wagen rollt.“