German poem
Der Ritter und die Nixen
by Rudolf Baumbach (1840–1905)
Zwölf Ritter ritten durch am Wald Mit Schwert und Schild und Sporen; Sie scherzen und lachen und haben bald Den rechten Weg verloren.
Und plötzlich sehen sie durch den Tann Ein stilles Wasser blinken; Sie reiten hinzu, sie halten an Und lassen die Rösslein trinken.
Da rauscht das Schilf und schwankt und nickt, Die Wasserlilien sich neigen, Und aus dem See korallengeschmückt Zwölf schöne Nixen steigen.
Die Rosse zittern und schnauben bang, Die Ritter starren und schauen, Da tönt bestrickender Gesang Vom Mund der Wasserfrauen.
»O folget uns in unser Reich, Rotwangige Erdensöhne; Unsterblichkeit verleihen wir euch Und ewige Jugendschöne. Es kann ja doch die höchste Lust Auf Erden nicht gedeihen; Ihr findet sie an unsrer Brust, Bei uns, den Wasserfeien.
Was euer Herz sich wünschen mag, Ihr findet’s auf dem Grunde; Zum Augenblick wird euch ein Tag, Das Jahr zu einer Stunde.
In unserm kühlen Aufenthalt Erwarten euch Freuden und Wonnen, Soviel als Nadeln ein Tannenwald Und Tropfen zählt ein Bronnen.« –
Die Ritter hören’s, es wallt ihr Blut, Sie springen behend vom Pferde. »Wir folgen euch, Nixen, in die Flut; Fahr wohl, du staubige Erde!«
Da raschelt das Laub, und die Ritter sehn Auf einmal einen braunen, Dickköpfigen Waldzwerg vor sich stehn, Darob sie aufs neue erstaunen.
Das Zwerglein hebt die Hand und spricht: »Lasst guten Rat euch sagen: Gehorcht den Wasserfrauen nicht, Ihr müsstet’s bald beklagen.
Wahr ist es, was man euch verhiess, Man hat euch nicht belogen; Es liegt ein blühend Paradies Im Schoss der blauen Wogen.
Es warten euer auf dem Grund Viel Wonne und Vergnügen Doch etwas hat der Nixen Mund, Gar weislich euch verschwiegen.
Es harren eurer kampfbereit – Erzittert, kühne Ritter, Behaftet mit Unsterblichkeit, Zwölf Nixenschwiegermütter.«