German poem
Das Geheimnis
by Rudolf Baumbach (1840–1905)
Heckenröslein, über Nacht Seid ihr aufgegangen, Schaut mich freudig an und lacht Mit verschämten Wangen. Ein Geheimnis, wie man spricht, Wisst ihr zu bewahren; Heckenröslein, plaudert nicht, Sollt etwas erfahren. Still, still, Ich bin ein thöricht Mädel Und weiss nicht, was ich will.
Kater, hast dich scheu versteckt, Hör dich ängstlich schreien. Dass du von der Milch geleckt, Will ich heut verzeihen; Krieche aus dem Winkel vor, Schrecken aller Ratzen, Komm, ich sag dir was ins Ohr, Aber darfst nicht kratzen. Still, still, Ich bin ein thöricht Mädel Und weiss nicht, was ich will.
Schwalbe, komm aus deinem Bau, Will dir was erzählen, Aber deiner Schwalbenfrau Musst du es verhehlen. Mein Geheimnis würde bald Aller Welt zu eigen, Denn die Frauen jung und alt Wissen nicht zu schweigen. Still, still, Ich bin ein thöricht Mädel Und weiss nicht, was ich will.