German poem
Sommer
Sommer.
Wenn in lauter Städte Dust Deine Kindheit Dir verflossen, Wenn Du helle Sommerlust Auf dem Lande nie genossen, Wenn im Weiler buschversteckt Nie gelebt Du aus dem Vollen, Nie den Widerhall geweckt Jauchzend in des Reigens Tollen, Kennst Du nur, was trügend gleißt, Kämst Du auch zu hohen Jahren, Und Du hast, was Leben heißt Und beglückt sein ― nie erfahren.
Ungehemmt und unbeirrt Wiese, Feld und Busch durchlärmen, Sorglos, wie der Falter schwirrt, Froh entlang die Raine schwärmen, Ohne Rast und blasse Scheu Führen ein Gefecht mit Kletten Und das Haupt in duft‘ges Heu Dann zur Mittagsruhe betten ― Wem sie nie beschieden war, Solche Wonne auserlesen, Blieb der besten Freuden bar Und ist nie ein Kind gewesen.
Schweifen durch die Morgenluft, Spielen mit den jungen Lämmern, Spechtgepoch und Nadelduft Und der Wege blau Verdämmern, Einen Arm voll Raden schlicht Und Cyanen heimwärts tragen Und im grauen Dämmerlicht Thronen auf dem Erntewagen ― Das ist echte Kinderlust Und sie wird das Herz Dir binden Und sie wird aus Deiner Brust Nie und nimmer wieder schwinden.
Daß ich manchen langen Tag Durch die Wälder durfte streifen, Wenn verstummt des Finken Schlag, Wenn die Haselnüsse reifen, Daß in Sturm und Ungemach Oft der Regen mich gebadet, Daß ich durch den klaren Bach Voll Vergißmeinnicht gewatet ― Bess’res ward mir nie zu Theil Und ich nenn‘ es, wenn ich sterbe, Meiner Jugend bestes Theil, Meines Daseins reichstes Erbe. R.L.