Versos German Rudolf Lavant Sylvesternacht

German poem

Sylvesternacht

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Sylvesternacht

In übermüth’ger Zecher Kreise Des Jahres Wechsel zu begehn, Es war noch niemals meine Weise – Es soll auch heute nicht geschehn! Das jauchzt und lärmt auf allen Gassen, Ich sitze einsam und allein Und blicke sinnend und gelassen In׳s Römerglas voll Ungarwein.

Ich schaue Bilder und Gestalten In meiner wachen Träumerei. Schwarz das Gewand und schwer die Falten, So schreiten still vorbei, Und jene huschen mit Frohlocken Dahin und grüßen mit der Hand; Im Haare Hyazinthenglocken Und um die Stirn ein rosig Band.

Ich habe schwer und viel gelitten, Es zuckte oft der bleiche Mund; Ich habe heiß und wild gestritten Und war zum Tode matt und wund. Ich habe Herrlichstes genossen In dieser kurzen Spanne Zeit, Und meine Thränen sind geflossen Im Uebermaß der Seligkeit.

Vorbei, verklungen und versunken! Ihr weckt mir weder Furcht noch Reu. Von Kampflust und von Liebe trunken — Mir selber blieb ich immer treu. Und wie das Schicksal auch gewaltet Wie auch umflort mein lichter Stern — In Lust und Weh hat sich entfaltet Zur Blüte meines Wesens Kern.

So geh ich denn mit stillem Muthe Entgegen dir, du neues Jahr, Zu Jauchzen, zu Tumult im Blute, Zu Kussesschauern und Gefahr. Es schmücke sich der Lenz mit Rosen, Es flamme fahler Wetterschein, Es fasse mich der Stürme Tosen — Ich weiß, es wird zu tragen sein.

Bewußt und klar in Haß und Liebe, Gesund und frisch in Herz und Hirn, Den Stahl entblößt zum scharfen Hiebe, So biet ich Allem kühn die Stirn. Die schweren Glockenschläge hallen . . . Du Jahr, das ich herangewacht, Dir sei auf Siegen oder Fallen Mein voller Römer dargebracht.

R. Lavant.