Versos German Rudolf von Gottschall Zum Neuen Jahre

German poem

Zum Neuen Jahre

by (1823–1909)

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Dem begrab’nen Alten Jahre Werft die Schollen auf die Bahre! Neues Wünschen, neues Hoffen Sieht die gold’ne Zukunft offen, Träumt vom Reigen schön’rer Tage, Den das Neue Jahr uns bringt, Bei dem ersten Glockenschlage, Der die Mitternacht durchklingt.

Nimmer wird’s dem Herzen frommen, Wenn die Schatten wiederkommen, Die mit geisterhaften Schritten Einst durch unser Leben glitten. Alte Sorge und Bedrängniß Schwinde in Vergessenheit, Und das kommende Verhängniß Finde uns zum Kampf bereit!

Heil und Glück den Lieben allen, Die mit uns durchs Leben wallen; Denn auch uns erfreu’n und schmücken Alle Rosen, die sie pflücken! Heil dem Edeln, Hohen, Großen, Das der Menschheit Adel trägt, Das, auch von der Welt verstoßen, Sonnenwärts die Schwingen regt.

Heil sei uns’rem Reich beschieden, Walte über ihm der Frieden! Naht der Feind in Kriegeswettern, Mög’s ihn siegreich niederschmettern! Wachsen soll’s an Ruhm und Ehre, Wachsen soll’s an inn’rer Kraft, Und des Geistes Schätze mehre Deutsche Kunst und Wissenschaft!

Neues Jahr, in deinem Schoße Ruhen die verhüllten Lose; Doch wie auch die Würfel fallen, Eine Losung bleibt uns allen: Muth’ger Sinn und Geistesstärke, Freud’ge Ernte fleiß’ger Saat, Eifer bei dem kleinsten Werke, Hoher Sinn zu großer That! Rudolf von Gottschall.