German poem
Kaspar Hauser
by Sophie Hoechstetter (1873–1943)
Woher du kamst, sollt’st du zu wissen wagen! Du aber ahntest nicht, welch’ Irrsal dich geboren – Du Armer löstest nicht die letzten Menschheitsfragen, Du standst wie wir vor strengverschlossenen Toren.
Als ich ein Kind war, hatt’ ich unter allen Sagen Die deines Lebens mir als schönste auserkoren – Und heute klingt aus ihr mir noch das Klagen Der Menschen, die sich in die Welt verloren.
All unser Wissen schläft im dunklen Grunde – Was sollen wir als Ziel und Herkunft nennen? In deiner Todesnacht sprachst du mit bleichem Munde Von einem Weg, den sie hier nicht mehr kennen – Den letzten Menschheitsschmerz, der noch die letzte Stunde Umnachtet, seh’ ich in dem deinen brennen.