Versos German Sophie Hoechstetter Sanssouci

German poem

Sanssouci

by (1873–1943)

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Verschnittener Taxus, weiße Götterbilder Und breite Treppen, über die Verblaßte Seidenschleppen ziehen müßten – Ein altes Schloß in kühler Pracht. Ein Park, durch den man „irrt“ Und der Ruinenberg Mit seiner Schwermut von gestürzten Säulen Und einem Opferstein Für Götter, die schon lang gestorben: Fridericus Rex wollt’ ohne Sorge sein, Fridericus Rex floh in das Land Romantik. Wir lächeln? Oh ein Lächeln voll Verstehn: Das Alter kam, und es war schrecklich einsam. Die Fahnen mit dem brandenburgischen Adler ruhen aus Und ohne Sorge will ihr König sein – Er baut sich einen Traum aus jungen Tagen, Der blaue Flieder steigt aus feuchten Gründen, Der Tulpenbaum, die Rebe blüht – Dann reifen an Geländern goldne Früchte, Und die Allee hinab fegt der Septemberwind Die ersten gelben Blätter – – Da droben auf der letzten der Terrassen, Da sitzt ein alter Mann, ein alter König – Und die Romantik blüht. Sie soll sein müd gewordenes Herz Mit neuen, süßen Jugendschauern füllen. Ist denn nicht alles da, was Jugendsehnsucht heißt? Das Schloß, die Götterbilder und die goldnen Früchte, Der Park, durch den verirrte Schritte ziehn, – Der Park, durch den verwirrte Seufzer glühn – Ein traurig-ernster Teich in müdem Schweigen Und eines Springquells frohes Wasserspiel – Und der Ruinenberg, auf dem der Jüngling Zu alten Göttern lächelt und zu jungen Taten Sich rüstet – – ? – Fridericus Rex? –

Der Führer plaudert: „Vor’jes Jahr um Pfingsten Hielt unser Kronprinz hier mit seine Reiter Und kaiserliche Hoheit wollten nicht Erst aus dem Sattel steijen – Und ritten man die Treppe rauf zum Schloß.“ Und wieder müssen wir ein wenig lächeln. Das Pferd war gut geschult, – Jedoch in hundert Jahren Wird’s eine wunderschöne Anekdote sein, Von einem königlichen Kavalier Der, ach nicht schnell genug zu seiner Dame konnte Fridericus Rex wollt’ ohne Sorge sein: Es ist ja alles da, was Jugendsehnsucht heißt: Der Park, durch den man irrt Und eine Bücherei von Cedernholz – Voltaire – Und der Ruinenberg. Und alles Spiel der herrlichsten Romantik. Wir lächeln? Wir haben alle unser Sanssouci, Den Park, durch den man irrt Und den Ruinenberg Mit seiner Torsen von antiker Pracht, Mit seiner Schwermut von gestürzten Säulen Und einem Opferstein für jene Götter, Die lange tot sind – Wir haben alle unser Sanssouci im Herzen: Wir träumten es in unsrer frühen Frühzeit, Eh’ noch das Leben und die Liebe kam, Das goldene Leben und die rote Liebe, Die gleich dem Frühlingswind sich jubelnd hebt Und durch die große Macht der Dämmerungen Und durch die Himmel jungen Überschwangs Den Weg hat. Wir wissen eins: um eines Lächelns Willen Haben wir fröhlich alle Marmorbilder Und alle großen Bücher, alle Schwermutstempel Und alle Sanssoucis in unsrem Herzen Auf Nimmerwiedersehn verschenkt.