German poem
Später August
by Sophie Hoechstetter (1873–1943)
Schon werden die Tage so seltsam still Und die Nächte schicken den Sternenregen Zur dunkelnden Erde – wieder will Der Sommer seinem Herbst entgegen.
Über dem Städtlein liegt Mondenlicht Und die Menschen wandeln zu zweien Im Schatten von Giebeln verschlungen dicht Den Liebesreihen.
Einst gingen wir auch durch die stille Stadt Und hörten fern das Posthorn klingen Und den Fluß, der leise ans Ufer trat – Unser Leben war Singen –
Unsre Schritte hallten durch schlafende Nacht, Wenn der Mond erblich und die Sterne sanken Als hätten sie schmerzlichen Weg vollbracht – Unser Leben war Danken.
Wo bist du, mein einsamer Herzgenoß? Nun seh ich Fremde den Liebesweg schreiten – Die Turmuhr schlägt – so riesengroß Faßt mich das Sehnen alter Zeiten.
Oh Jugendglück – oh Jugendlust, Heut’ gehst du in fremden Gestalten. Wie die Sterne vom Himmel im späten August Sind wir gestürzt – die Lieder verhallten.