Versos German Theodor Däubler Geliebte

German poem

Geliebte

by (1876–1934)

Listen in the reader

Geliebte, nimm uns hin mit schweren Schwächen! Ich bin bloß Mensch aus eigner Leidenschaft: Auf deinen Flechten goldet mir geborgne Kraft, Als schlürft ich Glut aus hold besonnten Bächen.

Mit freien Augen glückt dir das Versprechen Zu jüngster Wonne, die zu dir mich rafft; Durch deine Sachtheit lieb ich mich in Haft Und mag aus keinen Zartgewinden brechen.

Geliebte, laß mich knien zu deinen Füßen; Vergrab so warm die Hand im spröden Haar: Ein Blick empor mag unsern Himmel grüßen!

Wer weiß, ob einst die Seele ruhig war? Wohl schwand sie sanft aus allzu trauten, süßen Gefühltheiten in Fremde und Gefahr.