German poem
Aus Dem Strassburger ‘Saul.’
by F. Max Müller (1823–1900)
Michal.
Deiner Tochter erbarme dich, Die jetzund thut den Fussfall dir. Ach, er geht gar weg. O weh mir! O welch ein hartes Vatter Hertz. Wer hilfft mir nun in meinem Schmertz? Wer wird sich mein erbarmen fein, Weil mich verstosst der Vatter mein? Ach, du mein Hertz, mein Frewd, mein Leben, Wohmit soll Jch dir helffen eben? Solt Jch dich sehn doch nur ein mahl, Vnd dich gesegnen in dem Fall: Vnd dir erzeygen in dem Schmertzen Ein zeugniss meiner lieb im Hertzen. Ach, was solt mir nun Frewde geben, Wann du nicht mehr bist in dem leben. Ach, solt Jch jetzt sterben mit dir. O Jhr Trabanten hört, die jhr Den David vmbbringt grimmiglich: Tödet mit jhm zugleich auch mich. Jch will mit Frewden sterben nuhn. Was solt jch mehr bei Menschen thun? Solt Jch mich auch hinfort erzeygen Bey den Jungfrawen an dem Reygen? Niemand wird mich mehr hören singen Jch werd auch heim kein Hoffnung bringen Dass Er mein Breutgam werd bewegt. Ja mein zung mir am Gaumen klebt: Vnd alle die Gelieder mein Seind erhartet gleich wie eyn Stein. Die Erd mich eh verschlingen solt, Eh jch dich nit mehr lieben wolt. Inn ein Einöd will jch mich eben In diesem meim Elend begeben Damit jch wasch, so offt jch wein, Mit den Thränen die Backen mein. Wenn mein Zung red nach Menschen brauch So folg eyn klag der andern auch. Gleich wie eyn Vöglein sitzt allein Auff eim Dannbaum vnd klaget fein. Oder auff einer Eichen Breit: Also will jch klagen mein leyd Mit Seufftzen, die auss meinem Hertzen Heuffig werden tringen mit Schmertzen. Seuffzend will Jch meine Brust schlagen: Vnd den langsamen Tod anklagen. Ja für Trawren werd Jch verschmachten. Eim blümlein wird man mich gleich achten, Das früh emporhebt sein Häuptlein Wann herfür bricht der Sonnenschein Welchs die scharff Senss abhawt behend, Vnd wird durch strenge Hitz verbrennt: Das es abends verdorret balt, Ligt im Feld vnd hat kein gestalt. Also hett Jch mir eingebild Des morgens früh eyn hochzeit mild: Vnd werde gleich mit schwerer plag Dahin gericht den ersten Tag Vnd leid mit Seufftzen vnd mit Schmertzen So grosse Angst, in meinem Hertzen: Dass jch balt gegen abend, gleich Sein werde, einer Toden Leich. Aber was ist das? was seh Jch? Wen schlept Jhr da jhr Bösewich! Wen schleifft Jhr da? last jhn balt gehen, Ach liebes Hertz, thu Jch dich sehen? Seh Jch nicht, den begehrt mein Hertz?