German poem
Dreyhundert und neuntes Sonett: [Beschwingt trägt mich der Geist zu Himmelszinnen]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Beschwingt trägt mich der Geist zu Himmelszinnen So oft, als wär' von denen ich, die droben Zu ihrem theuren Horte sich erhoben; Zersprengten Schleyer lass ich erdwärts rinnen. Von süßem Frost dann bebt das Herz mir innen, Hör' ich sie sprechen, weil mich Bläss' umwoben: »Mein Freund, jetzt muß ich lieben dich und loben, Weil du dein Haar gewandelt und dein Sinnen.« Sie führt zu ihrem Herrn mich. Da mit Neigen Fleh' ich demüthiglich, mir zu gewähren, Daß ich ihr Antlitz schaue und das seine. Drauf Er: Dein Schicksal, nimmer ist's zu beugen; Und sollt' es zwanzig, dreyßig Jahr' noch währen; Scheint dir's zu viel, doch ist die Frist nur kleine.
More by Francesco Petrarca
- Dreyhundert und drittes Sonett: [Von schönsten Augen und von hellsten Wangen]
- Dreyhundert und eilftes Sonett: [Amor ließ ein und zwanzig Jahr' mich liegen]
- Dreyhundert und fünftes Sonett: [Die heil'ge Luft, sie kommt so oft, zu weben]
- Dreyhundert und fünfzehntes Sonett: [Ach, deine Hand dem müden Geiste reiche]
- Dreyhundert und sechstes Sonett: [Mir ist ein jeder Tag gleich tausend Jahren]
- Dreyhundert und sechszehntes Sonett: [Lieb' Vögelein, von Sanges Lust getragen]
- Dreyhundert und siebentes Sonett: [Nicht konnte süßen Blick der Tod verherben;]
- Dreyhundert und viertes Sonett: [Den Bothen meyn' ich stündlich zu erkunden]