German poem
Dreyhundert und viertes Sonett: [Den Bothen meyn' ich stündlich zu erkunden]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Den Bothen meyn' ich stündlich zu erkunden, Den mir die Herrinn, mich zu rufen, sendet; So bin ich inn- und außen umgewendet, Und in nicht vielen Jahren so geschwunden, Daß ich mich selber wieder kaum gefunden; Ganz anderm Leben hab' ich mich verpfändet. Zufrieden wär' ich, wüßt' ich, wann es endet; Doch sollten nah wohl seyn die letzten Stunden. O sel'ger Tag, wann, frey der Erdenbande, Ich sinken lasse flatternd und zerrissen Mein schwer-hinfälliges Gewand von Erde, Und, scheidend aus so dichten Finsternissen, So hoch ich fliege nach dem heitern Lande, Daß ich so Herrn als Herrinn inne werde.
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