German poem
Dreyhundert und sechszehntes Sonett: [Lieb' Vögelein, von Sanges Lust getragen]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Lieb' Vögelein, von Sanges Lust getragen, Oder beweinend die vergangnen Zeiten, Siehest du Nacht und Winter dir zur Seiten, Im Rücken Tag' und Monden voll Behagen, Wenn, wie du kennst des eignen Kummers Plagen, Du so mein gleiches Seyn wüßtest zu deuten, Dem Armen würdest in den Schooß du gleiten, Mit ihm zu theilen seine bangen Klagen. Ich weiß nicht, ob die Theile gleich sich paaren; Denn, die du klagst, lebt noch vielleicht; dagegen Das Meine Tod und Himmel karg verwahren. Doch Zeit und minder frohe Stund' erregen Mir durch das Bild von süß' und herben Jahren Die Lust, mit dir leidvoll Gespräch zu pflegen.
More by Francesco Petrarca
- Dreyhundert und fünftes Sonett: [Die heil'ge Luft, sie kommt so oft, zu weben]
- Dreyhundert und fünfzehntes Sonett: [Ach, deine Hand dem müden Geiste reiche]
- Dreyhundert und neuntes Sonett: [Beschwingt trägt mich der Geist zu Himmelszinnen]
- Dreyhundert und sechstes Sonett: [Mir ist ein jeder Tag gleich tausend Jahren]
- Dreyhundert und siebentes Sonett: [Nicht konnte süßen Blick der Tod verherben;]
- Dreyhundert und viertes Sonett: [Den Bothen meyn' ich stündlich zu erkunden]
- Dreyhundert und vierzehntes Sonett: [Beglückter Geist, der du ihr Aug' gelehret]
- Dreyhundert und zehntes Sonett: [Tod hat verlöscht die Sonne, die mich blendet;]