German poem
Einhundert zwey und neunzigstes Sonett: [Ich sang, itzt wein' ich, und ein gleich Vergnügen]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Ich sang, itzt wein' ich, und ein gleich Vergnügen, Wie sonst am Singen, ich am Weinen finde; Denn, nicht der Wirkung denkend, nur der Gründe, Zur Höhe meine irren Sinne fliegen. Gleich trag' der Härt' ich und der Sanftmuth Fügen, Ob Zorn, ob Huld und Demuth sich entbinde; So daß ich schwerer keine Last empfinde Und meine Waffen keinem Zorn erliegen. So mag nach alter Weise meinetwegen Amor, Madonna, Welt, Geschick verfahren; Doch denk' ich stets nur Freuden zu erwerben. Glüh', sterb' und schmacht' ich auch; ein holder Pflegen. Als mein's, ist unterm Mond nicht zu gewahren; So süß erweist die Wurzel sich des Herben.
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