German poem
Zweyhundert sechs und neunzigstes Sonett: [War Mitleid, war ein Engel so geschwinde]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
War Mitleid, war ein Engel so geschwinde, Zum Himmel auf mein Herzeleid zu tragen? Daß ich die Herrinn, wie in alten Tagen, Ehrbar und süß mir wieder nahempfinde, Daß sie mein müdes Herz des Grams entbinde, Voll Demuth so, so ohne stolz Betragen, Kurz so, daß ich des Todes mich entschlagen, Und leb', und lästig nicht das Leben finde? Glücklich bist du, die du mit deinen Blicken Und deiner Worte freundlichen Geschenken, Uns Beyden nur verständig, kannst beglücken! »Wohl, Lieber, Treuer, will dein Leid mich kränken; Doch mußt' ich so zu unserm Heil dich drücken!« Sprach sie und mehr, Sonnen vom Lauf zu lenken.
More by Francesco Petrarca
- Zweyhundert neun und zwanzigstes Sonett: [Der Tod zerriß den Knoten, der seit Jahren]
- Zweyhundert sechs und achtzigstes Sonett: [Zum harten Stein, mein Schmerzenslied, entfliehe]
- Zweyhundert sechs und dreyßigstes Sonett: [In ihres Blüthenalters schönstem Weben]
- Zweyhundert sechs und fünfzigstes Sonett: [Seh' nach den Jahren ich, zurückgewendet]
- Zweyhundert sechs und sechszigstes Sonett: [Für die ich Arno ließ in Sorga's Thalen]
- Zweyhundert sechs und siebenzigstes Sonett: [Bey einer Pflanze Sturz, die aus dem Lande]
- Zweyhundert sechs und vierzigstes Sonett: [Mit Seufzern füll' ich all der Lüfte Seiten]
- Zweyhundert sechs und zwanzigstes Sonett: [Mein theurer Herr, mich treibet all' mein Sinnen]