German poem
Am Wartburgthor
by Friedrich Hofmann (1813–1888)
Die Berge schmückt der Frühlingsschleier, Und alle Wälder wachten auf. Da hebt die Auferstehungsfeier Zur Waldburg uns das Herz hinauf. Wie trotzt der Pfad, in Fels gehauen, Zu Fels ergraut des Thors Gestein! Und acht mal hundert Jahre schauen In ihrer Mauern Kranz herein.
Und acht mal hundert Jahre schreiten Durch dieses Thor aus dem Gefild Und tragen Bild um Bild der Zeiten Durch dieses Thor auf ihrem Schild. Da drängt’s den Geist, daß er berichte, Was, Zug um Zug, ihm steigt empor, Ein treuer Pförtner der Geschichte, Das Aug’ versenkt in’s dunkle Thor.
Hell blitzt das Schloß weit in die Thale, Verkündend allem deutschen Land, Daß Thüringen zum zweiten Male In seiner Stämme Ring erstand. Tief in der Unstrut liegt die Krone Vom hingesunk’nen Königshaus: Hoch schaut von seinem Wartburgthrone Der Löwe in die Welt hinaus. Trompetenschall und Jubelrufe! Das erste Wartburgfest bricht an! Wie dröhnt vom scharfen Rosseshufe Der Felsweg! Auf das Thor gethan! Da sprengt herein des Bergs Bezwinger, Herein des Heerzugs Rott und Trott: Grüß Gott, Herr Ludewig, der Springer! Und Euren Eingang segne Gott!
Und wieder klirrt’s herauf von Eisen. Zum Junkerschrecken wird der Stuhl Des Fürsten, den die Bauern preisen: Er kommt vom Schmiede in der Ruhl! Und hinter ihm, in Kriegeswettern, Die Lanze hoch, das Schwert gezückt, Des Barbarossa tapfre Vettern, Den Mantel mit dem Kreuz geschmückt.
Horcht auf! Vom Thal welch’ Harfenklingen! Es zieht herein der Sänger Kreis, um für die Minne zu erringen Im Wartburgkrieg der Palme Preis. Darauf, nach bösen Kampfes Tosen, Geht still herauf Elisabeth, Im Arm der Armuth Korb voll Rosen, Die fromme Seele voll Gebet.
Gleich frommer Ehre hat die Rechte Held Ludwig fest und treu geweiht: Wie glänzt die Wartburg als die echte Herberge der Gerechtigkeit! Von Thüringen bebt bis zum Rheine Die Raublust, als sein Kriegeszug Das Schwert der Rache bis zum Maine Um seines Krämers Esel trug.
Trübt sich der Tag? Der untreu fröhnig Wird das Geschlecht. Wer zieht heraus? Sieh’, Raspe ist’s, der Pfaffenkönig! Thorwart, schleuß’ ihm das Thor nicht auf! Wozu das Thor noch? Schmach und Trauer! Die Blide wird der Treue Lohn – Und dort, ach, flieht, steilab die Mauer, Die Mutter vom gebissnen Sohn.
Und wieder strahlt es hell! Da reitet Zum Thore der Gebissne ein. – Weit hin von Siegesehren breitet Sich seines Lorbeers Zauberschein. Und höher noch im Sohne blühen Der Wartburg Glanz, Thüringens Macht – Recht wie der Berg im Abendglühen Ausleuchtet, eh’ er sinkt in Nacht. Der Löwe stirbt. Wohl trägt zum Thore Wettin herein den Rautenkranz. Doch trauernd mit dem Wittwenflore Verhüllt die Burg den alten Glanz: An’s Herz gedrückt der Minne Lieder Sinkt sie wie auf die Todtenbahr Verlassen und vergessen nieder Und schlummert hundertfünfzehn Jahr’.
Da ballt zum Wetter sich die Wolke Am deutschen Himmel, donnernd fährt Den Fürsten all’ und allem Volke Ein Blitz durch Herz und Haupt! Verklärt Vom ew’gen Licht der Wahrheit zittern Die Mauern, es zerreißt der Flor; Der mächtigste von allen Rittern, Ihr größter Gast betritt das Thor!
Der Junker Görg! Die Flammenleuchte, Die auf den Zinnen hoch er hält. Der Welt, die vor dem Wahn sich beugte. Hier leuchtet sie der ganzen Welt! Sie leuchtet fort, ob auch die Hallen, Die ausgestrahlet „Gottes Wort“, Verödet trauern und verfallen Dreihundert Jahr’, sie leuchtet fort.
Und ihre Flamme hat entzündet Das Herz der treuen Jünglingsschaar, Die auf der Wartburg Fels gegründet Des deutschen Geistes Hochaltar: Der Heldenjugend ohne Gleichen, Die dem zerriss’nen Reich entrollt Der deutschen Einheit erstes Zeichen, Das ewig hehre Schwarz-Roth-Gold!
Ein halb Jahrhundert hat gerungen Die Wartburgfahne mit der Macht: Der deutsche Geist blieb unbezwungen, Trotz Bundestag und Kerkernacht! – – Heut ist’s vollbracht! Ihr tapfern Alten, Der Erbfeind sank, die Zwietracht liegt Zermalmt! Gott war mit Eurem Walten: Der Geist der Wartburg hat gesiegt!
Drum stehst du, alte hohe Warte, In Deutschlands Herzen so geweiht. Daß jedes deutschen Siegs Standarte An deiner Ehren Kranz sich reiht. So schreite, von der Welt bewundert, Von Sieg zu Sieg der deutsche Geist! Heil Burg dir, die noch manch Jahrhundert Ein Pförtner der Geschichte preist!