German poem
Der Gesang vom Frieden des Chmelnicki in Bilaja Cerkov’ und von dem Kosakenkriege
by Iwan Franko (1856–1916)
Der Gesang vom Frieden des Chmelnicki in Bilaja Cerkov’ und von dem Kosakenkriege
Hat’s denn unser Hetman Chmelnicki wohl getan, Daß er in Bilaja Cerkov’ Frieden schloß mit Polen, Mit den wohlgeborenen Herren? Er ließ die Polen, die wohlgeborenen Herren, Bei den Kosaken, bei den armen Bauern In Quartieren stehen, Doch die alte Unterdrückung nicht wiederholen.
Ach, du unsre schöne Sonne, Unser Bogdan du, Chmelnicki! Hattest du es wohl bedacht, Hattest du es recht getan, Daß du Frieden hast geschlossen Mit den wohlgebornen Herren, Mit den Polen, unsern Feinden? Und du ließest unsre Feinde, Diese stolzen, edlen Polen, Wieder fester sich einnisten, Ach, in unserm armen Lande. Nur mit Steuern uns bedrücken, Nur uns martern und verfolgen Ließest du, o Hetman, nicht. Doch sobald die stolzen Polen, Wie ein Rabenschwarm, begierig, Sich bei uns herniederließen, Bei Kosaken und bei Bauern Überall Quartier erhielten, Da begann das alte Wehe, Da begann die alte Qual. Alle Schlüssel von dem Wirte Nahmen sie und wurden Wirte Selbst in seinem eignen Haus. In den Stall den Wirt sie schicken Und mit seinem Eheweibe Ruhn sie auf den Polstern aus. Kommt der Kosak oder Bauer Von dem Stall und schaut ins Fenster: Ach, da liegt der edle Pole Neben seinem Eheweibe Auf den Polstern ruhend süß. Und der Arme hat im Beutel Einen sauern, letzten Gulden, Doch von Gram und Schmach gepeinigt Geht er balde in die Schenke Und verpraßt des Geldes Rest. Und der edle, stolze Pole Wachet auf vom üpp’gen Schlaf, Wandelt sich das Dorf entlang, Wie ein Schwein sich langsam schleppend, Und er schärft noch das Gehör, Um zu hören, ob der Kosak, Ob der Bauer irgendwo Ihn nicht schmähet, ihm nicht flieht… Und wie in die Schenke er eintritt, Denket nicht, daß ihm der Kosak Freundlich bietet ein Glas Met Oder ein Glas starken Branntweins, Nein, der Kosak wirft das Glas ihm Ins Gesicht und spricht ganz ruhig: Ei, ihr edeln, stolzen Polen! Ist’s euch nicht genug, daß ihr uns Alle Schlüssel habt genommen, Daß ihr seid geworden Wirte Hier in unsern eignen Häusern! Müßt ihr noch euch immer drängen Da in unsere Gesellschaft? Ratlos wie die kleinen Kinder Sammelten sich die Kosaken, Sich gemeinsam zu beraten. Eine Bittschrift sie dort schrieben. Schickten sie dem Hetman Bogdan. In der Schrift da war geschrieben: Vater Hetman, du Chmelnicki, Du Jenobius von Tschehrin, Warum zürnst du uns so sehr? Warum hast du unbarmherzig Uns verlassen in der schnöden, In der schweren Sklaverei? Alle Freude, alle Freiheit Wurde uns vom Feind genommen. Edle Herrn, die stolzen Polen, Nahmen von uns alle Schlüssel Und sind Wirte selbst geworden Hier, in unsern eignen Häusern!
Liest die Bittschrift Hetman Bogdan, Liest die Schrift und spricht die Worte: Eh’, Kosaken, Kinder, Freunde, Arme Freunde, arme Kinder, Wartet noch ’ne kurze Zeit: Von dem Feste der Pokrowa Bis zu heil’gem Osterfeste. Dann erblüht der holde Frühling, Dann hat unsre Not ein Ende.
Eh’ noch kam der holde Frühling, Sputet sich Chmelnicki gut, Sammelt seine tapfren Krieger, Sammelt sie vor Sonnenaufgang, Rüstet sie zum Kriege aus, Mit den Worten sie ermahnend: Eh’, Kosaken, Kinder, Freunde, Arme Freunde, arme Kinder! Höret mich und sputet euch, Reitet hin nach Ukraina, Fallet dort als wie ein Blitzstrahl Auf die edeln, stolzen Polen, Unsre Feinde, rasch herab, Haut und schlägt und stößt sie nieder, Tränkt mit ihrem Blut den Boden, Rettet unsern heil’gen Glauben, Unsre Brüder vor der Schmach!
Hei, bald merkten, bald entdeckten Edle Herren, stolze Polen, Die Gefahr, die ihnen droht. Flohen sie in dunkle Wälder, Bargen sich in die Gebüsche. Wälderwärts die Kosaken laufen, Und die Polen im Gebüsche Ducken sich erzitternd nieder. Doch bald ist der Feind entdeckt, Und der Kosak gibt barmherzig Dem vor Angst halbtoten Polen Mit der Axt den Gnadenhieb, Stößt ihn nieder, leise sprechend: Eh’, ihr Polen, stolze Herren, Laßt doch das Versteckenspielen! Gehet doch zu unsern Weibern, Die euch sehnlich schon erwarten! Betten stehn zurechtgerichtet, Weiche Polstern sind schon fertig. Euch, ihr Edeln, zu empfangen! Und die Polen ängstlich zittern, Stürzen sich auf ihre Knien Vor Kosaken und vor Bauern, Nennen sie gar zärtlich: Brüder.
Ach, Kosaken, Brüderherzen! Habt doch Mitleid mit uns Armen, Laßt uns nur lebendig laufen, Wenn auch nur in einz’gen Hemden, Daß die Weichsel wir erreichen, Unsern lieben Heimatfluß. Gott erbarmte sich der Polen, Gab zur Flucht ihnen schön Wetter; Auf der Weichsel sprang das Eis.
Hei, wie sich Kosaken warfen, Um zu retten ihre Brüder, Ihre Brüder, stolze Polen! Griffen wohl sie bei den Haaren, Tauchten sie ins Wasser unter, Duckten sie mit glattem Eise So noch sprechend stets dabei:
Ei, ihr Polen, stolze Herren! Einst vor langer, langer Zeit Hielten unsre tapfren Ahnen Hier an diesem Flüßchen Wacht Und verbargen, wie man sagen, Manchen Schatz in seiner Tiefe.
Wenn ihr diese Schätze findet, Seid so gut, bringt sie hervor, Und als Findgeld wollen wir Euch die Hälfte überlassen Und mit euch in Lieb und Freundschaft Wie mit Brüdern fortan leben. Doch indessen, seid nicht böse, Und in den Kristallpalästen Lebet wohl gedenkend unser!
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