German poem
Vii
„So möglich wie gewiß. O komm, o siehe, welch Entzücken deiner harrt! Laß ab von deinem Harme und deinem Trotz! komm, sinke in meine offnen Arme, gleichwie der Glühwurm in den erblühten Lilienkelch. Komm und verdien es dir! Komm an mein Ohr, schütt aus all deine Niedrigkeit mit deinem höchsten Mute! sag Alles, Sohn: frei, schlicht und ohne Stolz im Blute! reich mir der Reue blassen, schmachtenden Blumenstrauß!
Dann tritt an meinen Tisch, einfältiglich! da soll ein köstlich Mahl, dem selbst die Engel andachtvoll nur zusehn dürfen, dich erquicken und entsühnen; da sollst den Wein du trinken, den Wein des immergrünen Weinstocks, dessen Güte und Kraft und Süßigkeit dein Blut befeuern werden für die Unsterblichkeit.
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„Dann geh und glaube fein demütig an das Urwort der Liebe, allwodurch ich dein Leib-und-Seel ich bin! Und kehre ja, mein Sohn, sehr oft von neuem in mein Haus ein, meinen Wein dort zu kosten und den Schwur dort zu leisten auf mein Brot, ohn welches all dein Streben nur ein Verrat vor mir! Und bitte mich, wie Brauch, mich, Vater, Sohn und Geist, und meine Mutter auch, daß du das Lämmlein werdest, das stumm versprützt sein Leben,
daß du das Kindlein werdest, bekleidet mit dem Linnen der Unschuld, und dein eigen armselig Sein und Sinnen vergessest, um einst Mir ein wenig gleich zu werden, Mir, der zu Zeiten des Pilatus und Herodes, des Petrus und des Judas auch dir gleich ward auf Erden, für dich am Kreuz zu sterben eines verruchten Todes.
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„Und um zu lohnen deinen Eifer in diesen Pflichten, die also süß, daß ihre Wonnen unsäglich sind, will ich dich schmecken lassen schon auf Erden, Kind, den Vorschmack Meines Friedens: meine dunkellichten geheimen Nächte, wo der Geist sich meinen Söhnen auftut und vom vollen Kelch der Verklärung trinkt, wo hoch am heiligen Himmel der Mond verheißend blinkt und aus der rosigen Finsternis die Engelchöre tönen,
verkündend die Entrückung empor zu Meinem Lichte, die ewigen Küsse meiner Langmut und Erbarmung, die Psalmen meines Ruhms und ewigen Traumgesichte, die ewige Weisheit und die ewige Umarmung im Schauder deiner seligen Schmerzen, die auch mein: den Aufrausch der Verzückung, Mein zu sein!“