German poem
Die Markgräfin
by Sophie Hoechstetter (1873–1943)
FRIEDERIKE LOUISE, MARKGRÄFIN VON ANSBACH, PRINZESSIN VON PREUSSEN
Einst war das Wort von Tod und Untergang Dir nur die Form für jungen Überschwang – Einst war das Wort, daß nichts mehr bliebe, Dir nur der Lockruf letzter Liebe.
Das Leben kam und trug nicht deiner Träume Bild Wie ein Vernichtungsstrom, der reißend, wild Das Zarte knickt, zog es in jäher Flucht Den Lebenskahn aus seiner stillen Bucht
Und ließ ihn über trübes Wasser gleiten – Und stößt ihn aus in letzte Einsamkeiten – Und führt ihn fort vom letzten Feste „Rien ne nous reste“ –
„Que notre douleur“ – wo klang es einst? Die blassen Lippen singen’s, während du doch weinst – In einem toten Garten klingt ein Lied Von einer, die vom Leben schied.
„Rien ne nous reste que notre douleur“ Wir geben diesem alten Wort Gehör, Wir, die das Leben blühend umfangen Hören mit schmerzlich-sehnsüchtigem Bangen
Das alte Wort von Tod und Untergang, Es ist ein leiser, ferner, stiller Klang, Der wie ein längst verschollenes Gedicht Von einer zärtlich-armen Seele spricht.
Wie manchmal uns Erinnerungsschatten grüßen, Schatten, die uns mit kleinen, melancholisch süßen Seufzern erfüllen und uns lächelnd sagen, Einst wirst auch du es klagen: „Rien ne nous reste“ –