Versos German Sophie Hoechstetter Ein Mutterlied

German poem

Ein Mutterlied

by (1873–1943)

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Wir dachten einst, was in uns lebt, Kommt uns erhöht noch in den Kindern wieder Gleich einem Rausch, der nimmer stirbt – Wir dachten einst, die Welle, die uns hebt, Stürmt fort in ihnen, wie die hohen Lieder, Mit denen uns die Liebe wirbt. Uns trug die Welle einer Leidenschaft, Uns trug der Freiheit und des Willens Kraft, Wir wollten voll Inbrunst und frohem Schrecken Titanenseelen erwecken. – – – – –

Mein kleiner Niels, der freit die reiche Braut – Mein kleiner Frank ist Pfründenhüter worden – Und aus den Augen meiner Tochter schaut Die Selbstsucht, die gewinnt an allen Orten – Und meine Jüngste, über deren Bett Einst meine ersten Witwentränen flossen, Ist eine Tänzerin und tanzt vor dem Parkett Beethovens Trauermarsch, den Leidgenossen, Denselben, den sie an dem Tage spielten, Als sie die Erde auf das Grab dir wühlten.

Oh alle sind sie „gut“ Und alle tragen Ehre An ihrem Namen – Sind mein Blut Und sind die von mir kamen Aus Todesschwere

Meine Seele wollt’ ich ihnen verschenken, Meine Seele und dein Angedenken Du Freund – Dein Gepräge und meines sollten sie tragen, Unsre Herzen sollten in ihnen schlagen, Wenn die Grabeserde sich über uns bräunt.

Ja – sie sind alle recht und gut, Sie, die wurden aus unserem Blut, Und alle tragen geehrte Namen, Doch als wir beide zusammen kamen, Da glaubten wir, Erlöser zu zeugen, Oder doch solche, die unter sich beugen Alles was klein und niedrig ist. Nun sind sie alle Fremde geworden, Keiner trägt einen Ritterorden Und keiner den Alltag vergißt – Von denen, welchen das Leben ich gab. Wenn ich zu ihnen gehe, Wenn ich sie sehe, Ist mir, als stünd’ ich vor unserem Grab.