German poem
Einer Toten
by Sophie Hoechstetter (1873–1943)
Die Nacht ging hin – der Morgen tagt Und muß die Welt des Traums zerstören – Ich kann die Worte, die du einst gesagt Nur noch mit meinem Herzen hören.
Der Saal ist still – dein leichter Tritt Der war, wie wenn sich Töne sanft verlören, Verklang – und ich kann deiner Füße Schritt Nur noch mit meinem Herzen hören.
Das Haus ist leer – die Sonne blickt so kalt, Was hilft dem Einsamen, sich zu empören? Ich kann die Stimme, die mir lang verhallt Nur noch mit meinem Herzen hören –
Der Garten schläft – einst klang mir dort Dein Lachen – klang, mich zu betören – Ich schleiche mich von seinen Wegen fort, Dein Lachen werd’ ich niemals wieder hören –
Was ruf’ ich dich – mir ist dein Trost versagt, Was ruf’ ich dich, die Ruhe dir zu stören – Ich muß die Stimme, die mich tief verklagt Ein langes Leben noch im Herzen hören.